Kapitalanleger

Versteckte Steuerbelastung bei Auslandsdividenden

Privatanleger, die ihr Geld in ausländische Aktien investieren, müssen für die Dividenden 25 % Einkommensteuer zahlen. Die Dividenden sind grundsätzlich in die Einkommensteuererklärung aufzunehmen und werden mit den Sondersteuersatz von 25 % besteuert. Werden diese Auslandsdividenden aber über eine inländische Bank ausbezahlt (weil die Aktien bei dieser im Depot liegen), sind für den Anleger die steuerlichen Pflichten schon erfüllt, da die österreichische Bank verpflichtet ist, von diesen Auslandsdividenden 25 % Kapitalertragsteuer einzubehalten.

Sieht man sich einen Auszahlungsbeleg über Auslandsdividenden aber genauer an, wird man feststellen müssen, dass die Dividenden noch mit weiteren Steuern belastet sind. Üblicherweise wird nämlich auch noch im Ausland bei der Dividendenausschüttung ausländische Quellensteuer zwischen 15 % und 35 % einbehalten. Österreich hat mit vielen Ländern Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen, in denen festgelegt ist, dass bei sogenannten Portfoliodividenden der ausländische Staat diese Dividenden mit (zumeist) 15 % besteuern darf, wobei sich Österreich verpflichtet hat, diese 15%ige Steuer auf die österreichische Einkommensteuer anzurechnen. Insoferne entsteht dem Anleger keine steuerliche Mehrbelastung.

Liegen die Auslandsaktien auf dem Depot einer österreichischen Bank, berücksichtigt die Bank die Anrechung der 15 % ausländischen Quellensteuer automatisch und behält eben nur mehr den Differenzbetrag von 10 % an österreichischer Kapitalertragsteuer ein. Sind die Dividenden in der Einkommensteuererklärung zu erfassen, ist die einbehaltene und anrechenbare ausländische Quellensteuer in einer eigenen Rubrik anzugeben und wird dann bei der Veranlagung von der Einkommensteuer in Abzug gebracht.

 

Ist aber die im Ausland einbehaltene Quellensteuer höher als 15 % (zB Deutschland: derzeit 20 %, künftig 25 %; Schweiz: 35 %) kann der Differenzbetrag nur vom Anleger selbst über einen Rückerstattungsantrag im Ausland zurückgeholt werden. Für diese Anträge haben die meisten Staaten eigene Formulare aufgelegt, die man sich seit kurzem direkt von der Homepage des Finanzministeriums unter diesem Link herunterladen kann. Diese Anträge müssen vom zuständigen Finanzamt bestätigt werden (Ansässigkeitsbescheinigung) und sind dann gemeinsam mit dem Nachweis über die einbehaltene Quellensteuer (Bankbeleg) in den meisten Fällen direkt an die ausländische Finanzbehörde zu senden.

Tipp: Da sich dieses aufwändige Verfahren für kleinere Beträge oft nicht auszahlt, sollte überprüft werden, ob nicht die Rückerstattung für mehrere Jahre auf einmal gemacht werden soll. So können etwa in Deutschland Anträge noch vier Jahr nach dem Jahr der Dividendenauszahlung gestellt werden, in der Schweiz beträgt die Frist drei Jahre.

Aber auch Unternehmen sind mit der Belastung durch ausländische Quellensteuern konfrontiert. Erhalten österreichische Kapitalgesellschaften aus ausländischen Beteiligungen  Dividenden können ebenfalls ausländische Quellensteuern anfallen. Bei Beteiligungen innerhalb der EU bietet aber eine EU-Richtlinie Erleichterung. Nach dieser Richtlinie sind nämlich Dividenden zwischen EU-Gesellschaften zur Gänze von der Quellensteuer zu entlasten, wenn die EU-Muttergesellschaft mit mindestens 15 % zwei Jahre lang beteiligt ist. Für Beteiligungen außerhalb der EU kann auf Grund der von Österreich abgeschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen bei Beteiligungen im Konzern (die dafür notwendige Beteiligungsquote liegt je nach Abkommen zwischen 10 % und 25 %) zumeist eine Reduktion der nur anrechenbaren Quellensteuer auf 5 % erreicht werden. Im Verhältnis zur Schweiz kann die einbehaltene Quellensteuer zur Gänze rückerstattet werden, wenn die österreichische Kapitalgesellschaft zumindest mit 20 % beteiligt ist.

Die Reduktion oder Befreiung von der Quellensteuer ist bei Kapitalgesellschaften besonders bedeutend, da ja Dividenden aus der Beteiligung an ausländischen Gesellschaften in Österreich steuerfrei sind, wenn die Beteiligung mindestens 10 % beträgt und länger als ein Jahr gehalten wird. Denn wenn keine österreichische Steuer bezahlt wird, geht auch die Anrechnung der ausländischen Quellensteuer ins Leere.

Mag Margit Widinski

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