Evervailable

Vor mehr als 100 Jahren prophezeite der Ökonom John Maynard Keynes den stetigen Rückgang der Wochenarbeitszeit aufgrund technologischen Fortschritts und steigender Produktivität auf 15 Stunden. Und tatsächlich sind wir dank fortschreitender Digitalisierung produktiver als je zuvor. Doch wie verändert sich dadurch die Arbeitswelt? Wir sind immer erreichbar und erwarten im Gegenzug auch von Produkten und Dienstleistungen ständige Verfügbarkeit.  „Quick and dirty“ und doch „always on“ – das ist die Evervailable-Kultur.

Das Kunstwort „Evervailability“ beschreibt ein gesellschaftliches Phänomen, das besonders durch die Digitalisierung und Social Media vorangetrieben wird. Durch den ständigen Zugang zu Smartphones, Tablets und Co. sind wir sowohl mit unserem Arbeitgeber als auch mit unseren Bekannten und Freunden permanent verbunden. In dieser neuen Lebensrealität sind wir jederzeit erreichbar und die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit verschwimmen mehr und mehr. Wir möchten rund um die Uhr Dienstleistungen beanspruchen und Produkte kaufen können, unser Leben nicht durch Ort und Zeit beschränken lassen. Unternehmen müssen sich diesen Ansprüchen anpassen und haben kreative Konzepte entwickelt, um Verfügbarkeit, Effizienz und Flexibilität zu vereinen.

Einen ersten Schritt in diese Richtung machte die Finanzbrache mit benutzerfreundlichem Onlinebanking. Mit der 2015 veröffentlichten Online-Banking-Plattform „George“ erledigten bereits 2017 64% der Erste Bank Kunden ihre Bankgeschäfte auch online mit zusätzlichen Funktionalitäten wie Livechat und Kontostandsprüfung via App.

Evervailability ist für Unternehmen ein Wettlauf gegen die Zeit, da lt. Umfragen die fehlende One-Day Zustellung von Produkten für Kunden ein Stornierungsgrund ist. In Großstädten wird durch den Aufbau von ausgeklügelten Logistiklösungen vermehrt eine Lieferung innerhalb von 2-3 Stunden angeboten.

Uber, Car-Sharing Plattformen wie Share Now und der öffentliche Verkehr bieten flexible Mobilität rund um die Uhr in unterschiedlichsten Ausprägungen.

Die Verfügbarmachung von allen Leistungen zu jeder Zeit erfordert neue Wege, um sich selbst Grenzen zu setzen. Dabei wir die Unterstützung durch Arbeitgeber wieder stärker eingefordert werden. Einige Unternehmen haben bereits neue Ansätze als Reaktion auf Evervailability etabliert. Ein Beispiel dafür ist Best Buy Co., ein Onlinevertrieb für elektronische Geräte mit der Initiative „Results-Only Working Environment“ (ROWE). Diese etabliert eine neue Unternehmenskultur, die den Fokus auf erzielte Resultate legt. Das Modell ermöglicht Angestellten, sich ihre Arbeitszeit frei einzuteilen und ihre Freizeit ohne Abrufbereitschaft zu verbringen.


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