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BDO Expertentalk. Hilfestellung für Unternehmen: Was ist nun zu tun?

30 März 2020

Die Regierung hat ein EUR 38 Mrd. schweres Hilfspaket geschnürt, das der österreichischen Wirtschaft helfen soll, die Auswirkungen der Krise zu verkraften. Die Finanzierungsexperten Dr. Michael Grahammer (Grahammer & Partner) und MMag. Marcus Bartl WP/Stb. (BDO) nehmen zu den aktuellen Herausforderungen für Unternehmen Stellung.

Was sind die Herausforderungen für die Unternehmen in der aktuellen Covid-19-Krise?

Michael Grahammer und Marcus Bartl geben Antworten.

Michael Grahammer: Die österreichische Bundesregierung hat aus gesundheitspolitischer Sicht viele richtige Maßnahmen ergriffen, um konsequent die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Diese Maßnahmen führen aktuell aber auch zu einer erheblichen Einschränkung der wirtschaftlichen Tätigkeit vieler Unternehmen - vielfach kann sie sich auch zu einer Existenzkrise ausweiten. Während durch die Finanzkrise in den Jahren 2008/09 im Wesentlichen Banken, Versicherungen sowie einige Großunternehmen vorweg betroffen waren, wirkt sich die Covid-19-Krise gleich von Beginn an auf die gesamte Wirtschaft aus.

Wie beurteilen Sie die aktuellen Stützungsmaßnahmen der österreichischen Bundesregierung?

Marcus Bartl: Die Bundesregierung hat im breiten politischen Konsens und unter Einbeziehung der Sozialpartner rasche und unbürokratische Unterstützung für österreichische Unternehmen erwirkt. Diese erfolgt in mehreren Stufen. Durch die Stundung der Steuern und der Sozialversicherungsbeiträge ab 16. März wurde Unternehmen seitens der Finanzverwaltung und der ÖGK direkte Liquiditätsunterstützung gewährt. Mit Einführung des modernen Corona-Kurzarbeitsmodells nimmt Österreich in Europa eine Vorreiterrolle ein: Durch die anteilige Übernahme der Personalkosten erhalten Betriebe eine dringend notwendige Unterstützung.

Welche Förderungen werden aktuell von öffentlichen Stellen bereitgestellt?

Marcus Bartl: Aktuell gibt es einen intensiven Ausbau von öffentlichen Fördermaßnahmen, die vorwiegend die Liquiditätsversorgung der Unternehmen zum Ziel haben. Die an vorwiegend KMU und Exportunternehmen gerichteten staatlichen Förderkredite von aws, OeKB und ÖHT wurden bereits aufgestockt. Mittlerweile gibt es auch eine Vielzahl an länderspezifischen Förderungen. Sie richten sich in der Regel an KMU, bzw. stellen Zinsstützungen für Unternehmen dar. Zusätzlich wird an einem Härtefonds für EPU gearbeitet, der durch die WKÖ abgewickelt werden soll. Die Aufstockung der Forschungsförderung sowie einer allgemeinen Brückenfinanzierung für Unternehmen ist ebenfalls in Ausarbeitung. BDO beobachtet die täglichen Entwicklungen in diesen Bereichen - denn für Unternehmen ist es nicht leicht, einen tagesaktuellen Überblick über die Fördersituation zu bewahren.

Michael Grahammer: Das ist auch mein einziger Kritikpunkt am bisherigen Vorgehen. Es wäre sinnvoll, hier im Sinne der Unternehmen sämtliche Förderungen zu bündeln und durch eine zentrale Anlaufstelle möglichst rasch und unbürokratisch abzuwickeln. Unternehmen sind bereits gefordert, den operativen Betrieb zu organisieren, und können in der Regel nur durch den Einsatz von Beratern sämtliche Fördermöglichkeiten im Überblick behalten.

Welche weiteren Schritte sind hinsichtlich Krisenbewältigung
für die österreichischen Unternehmen erforderlich?

Marcus Bartl: Aktuell ist es oberstes Gebot, die Liquiditätsversorgung der österreichischen Wirtschaft aufrechtzuhalten. Kann dies nicht innerhalb weniger Wochen bewerkstelligt werden, wird das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der Betriebe verlorengehen. Andernfalls kann es zu einer Insolvenzwelle kommen, durch die viele lebensfähige Betriebe schließen müssten. Dies würde eine dauerhafte Schwächung unserer Wirtschaft nach sich ziehen. Daher sind die Liquiditätsstützungsmaßnahmen ein sinnvolles Instrument.

Michael Grahammer: In einer mittelfristigen Betrachtung sind außerdem moderne Eigenkapitalstärkungsmaßnahmen dringend erforderlich. Durch die Ausreichung von Förderkrediten steigt auch die Verschuldung der österreichischen Unternehmen. Viele werden ihre Schulden nicht aus eigener Kraft zurückzahlen können und womöglich über Jahre mit der Rückzahlung dieser Kredite belastet werden. Durch die entstehenden Verluste tragen viele Unternehmen daher die eigentlichen Kosten dieser Krise. Nach Sicherstellung der Liquidität wird man sich deshalb auch überlegen müssen, wie die langfristige Belastung der Unternehmen zumindest teilweise kompensiert werden kann. Nur so kann es gelingen, Unternehmen, Arbeitsplätze und damit unseren Wohlstand zu erhalten.

Welche zusätzlichen Instrumente sind daher für eine erfolgreiche Krisenbewältigung erforderlich?

Marcus Bartl: Bereits vor der Corona-Krise konnten wir erfolgreich viele außergerichtliche Sanierungslösungen für unsere Kundinnen und Kunden erzielen. Durch Verhandlungen mit den jeweiligen Großgläubigern konnten wir erwirken, dass Unternehmen ohne die negative Stigmatisierung eines Sanierungsverfahrens ihren Betrieb fortsetzen konnten. Bei einem Scheitern dieser Gespräche war die Einleitung eines Sanierungs- bzw. Insolvenzverfahrens aber leider in der Regel nicht abwendbar. Die Folge war oftmals auch eine vollständige Unternehmenseinstellung.

Michael Grahammer: Gerade durch das massive Ansteigen der Verschuldung durch die Covid-19-bedingten Förderkredite wäre hier ein modernes Schuldenregulierungsverfahren tunlich. So könnten Unternehmen, die über ein lebensfähiges Geschäftsmodell verfügen, unter maßgeblichem Beitrag der Republik Österreich rasch wieder zu entschuldet und für den internationalen Wettbewerb gestärkt werden. Die Innovationsfähigkeit österreichischer Unternehmen, die langfristig auch die Arbeitsplätze in Österreich sichern, sollte nicht durch den übermäßigen Schuldendienst nachhaltig belastet werden.

Marcus Bartl: Ein modernes Unternehmensteuerrecht mit einer vollständigen steuerlichen Verlustausgleichsmöglichkeit und reduzierten Steuersätzen versetzt Unternehmen darüber hinaus in die Lage, in der Nachkrisenzeit die wieder erwirtschaften Gewinne verstärkt zur Entschuldung zu verwenden. Dadurch könnte eine allfällige Eigenkapitalstützung durch die öffentliche Hand reduziert werden.

Was ist Ihre Einschätzung bezüglich der weiteren Entwicklung?

Marcus Bartl: Es ist beachtlich, mit welchem politischen und wirtschaftlichen Zusammenhalt wir diese schwierige Eröffnungsphase der Corona-Krise gemeistert haben. Persönlich bin ich zuversichtlich, dass wir – unter Weiterführung der erforderlichen Unterstützung durch die öffentliche Hand – die Krise gemeinsam so gut bewältigen, dass wir in Österreich gesund und sogar wirtschaftlich gestärkt hervorgehen.

Michael Grahammer: Die aktuellen Maßnahmen der Abschottung sind alternativlos. Gleichzeitig ist es unumgänglich, die kurz- und langfristige Krisenbewältigung auf die europäische Ebene zu heben. Wenn wir uns innerhalb der EU koordinieren und die am meisten betroffenen Staaten wie Italien und Spanien während und nach der Krise unterstützen, kann uns die Krise in Bezug auf die europäische Integration einen großen Schritt voranbringen. Covid-19 macht uns gerade klar, dass wir alle im selben Boot sitzen.

Wer gibt Auskunft und Hilfestellung?

Michael Grahammer: Grahammer & Partner und BDO stellen mit vereinten Kräften österreichweit mehr als 100 Expertinnen und Experten in den Bereichen Finanzierung, Sanierung und Förderung. Offiziell werden wir zwar erst ab 1.5.2020 zu BDO stoßen und ab diesem Zeitpunkt unter BDO Corporate Finance GmbH firmieren. In einer Krise wie dieser ist allerdings Flexibilität gefragt. Daher arbeiten wir bereits jetzt eng zusammen, um unsere Kundinnen und Kunden bestmöglich zu unterstützen.

Marcus Bartl: Als direkten Draht zu uns haben wir eigens eine Hotline eingerichtet, um alle wirtschaftlichen Fragen zu beantworten, denen sich Unternehmerinnen und Unternehmer angesichts der Corona-Krise gegenübersehen. Neben den Themen Finanzierung und Liquiditätssicherung erleben wir derzeit großen Beratungsbedarf in Personalfragen, speziell zur Corona-Kurzarbeit, IT und Cyber Security sowie in Bezug auf die Auswirkungen auf UGB/IRFS-Abschlüsse. Unsere Spezialistinnen und Spezialisten bereiten alle neu beschlossenen Maßnahmen der Regierung permanent auf, um tagesaktuell beraten zu können. Alle Ergebnisse fassen wir in unserem „Leitfaden zu den Maßnahmen der Regierung“ zusammen, der unter bdo.at zu finden ist und ebenfalls laufend erweitert wird.

Die Corona-Krise wird die österreichische Wirtschaft nachhaltig verändern. Daher sehen wir es als unsere Aufgabe an, den Unternehmerinnen und Unternehmern schnelle und unbürokratische Beratung und Hilfestellung zu geben.

Sie erreichen die BDO Spezialistinnen und Spezialisten
montags bis freitags von 8:00 – 17:00 Uhr unter
0153 73 7-973 bzw. [email protected]

Gerne unterstützt BDO bei der Aufbereitung nötiger Unterlagen und der Einbringung von Anträgen.

 

Der Expertentalk erscheint am 1. April die Die Presse und in der April-Ausgabe des Börsianer.