Die fünf zentralen Steuertipps für Influencer

Carina Fuchs , Manager Corporate Communications |

24 November 2020

Traumberuf Influencer - man wird mit Reisen, Restaurantbesuchen und Produkten überschüttet, berichtet darüber auf seinem Instagram-Profil oder YouTube-Kanal und lebt von den Werbeeinnahmen.
Klingt gut? Nicht umsonst steht der Berufswunsch Influencer hoch im Kurs. Trotz des Glamourfaktors sollte man auf Grundlegendes nicht vergessen – denn auch Influencer müssen unter Umständen Steuern zahlen.

Oft beginnt es als Hobby, wenn auf dem eigenen Blog oder Social Media Profil über persönliche Leidenschaften – von Büchern über Fitness bis zum Backen – berichtet und die persönlichen Erfahrungen geteilt werden. Für manche entwickelt sich daraus ein lukrativer Nebenerwerb oder sie satteln sogar gänzlich auf eine Tätigkeit als Influencer um. „Auch wenn dieses Berufsfeld erst in den letzten Jahren aufgekommen ist, so lassen sich steuerliche Fragen mit ,bewährten Rezepten‘ beantworten“, so BDO Steuerexperte Karl Stückler.
 

1. Keine Einkommensteuer bei geringfügigen (Neben-)Erwerben
Wenn nur Einkünfte als Blogger oder Influencer erzielt werden und diese oder die Einkünfte in einem Kalenderjahr insgesamt EUR 11.000 nicht übersteigen, muss weder Einkommensteuer bezahlt noch müssen die Einkünfte dem Finanzamt bekannt gegeben werden. Werden der Blog oder die Social Media Kanäle neben einem Angestelltenverhältnis betrieben, gilt für die Erklärungspflicht eine Grenze von EUR 730 jährlich. Insbesondere bei bloß fallweisen Zahlungen an hobbymäßige Blogger oder Influencer wird i.d.R. keine gewerbliche Tätigkeit anzunehmen sein. Die erhaltenen Zahlungen („sonstige Einkünfte“) sind dann pro Kalenderjahr bis maximal EUR 220 nicht steuerpflichtig. 
 

2. Vorsicht: Auch Sachleistungen sind zu versteuern
Zum Einkommen zählen nicht nur Entgelte in Geld, sondern auch im Zusammenhang mit der Tätigkeit erhaltene Sachzuwendungen, z.B. wenn ein Hotel im Gegenzug für eine Rezension auf dem eigenen Reiseblog einen kostenlosen Wellnessaufenthalt ermöglicht oder ein Kosmetikhersteller Produkte zum Einsatz bei Make-up Tutorials auf dem Instagram-Profil kostenlos zusendet. Da diese Zuwendungen steuerlich als Tauschvorgänge behandelt werden, muss für die Sachzuwendungen der sog. gemeine Wert (Verkehrswert) ermittelt werden. In die Steuererklärung wird der Gesamtwert der Geld- und Sachleistungen aufgenommen.


3. Abzugsfähigkeit: Reisekosten und Smartphone ja, Kosmetik und Mode nein
Als Betriebsausgaben dürfen grundsätzlich nur Aufwendungen geltend gemacht werden, die mit der betrieblichen Tätigkeit in Zusammenhang stehen. Reiseblogger können folglich Reisekosten absetzen und auch die Anschaffung von (hochwertigen) Fotokameras, Laptop etc. kann im Ausmaß der Nutzung für die Tätigkeit als Blogger oder Influencer geltend gemacht werden. Aufwendungen, die der Privatsphäre nahestehen, sind davon jedoch ausgeschlossen – selbst, wenn die Gegenstände ausschließlich für die Blogger-Tätigkeit genutzt werden würden. Dazu gehören insbesondere Lebensmittel, Modeartikel oder Kosmetik.  


4. Betriebsausgaben auch ohne tatsächliche Kosten geltend machen
Neben anderen Formen der Gewinnermittlung besteht die Möglichkeit, pauschale Betriebsausgaben in Form von Durchschnittssätzen in die Steuererklärung aufzunehmen. Dies ist insbesondere dann reizvoll, wenn tatsächlich keine oder geringe Kosten für die Blogger- und Influencer-Tätigkeit anfallen, z.B. bei nebenberuflicher Tätigkeit. Seit 2020 steht eine neue Pauschalierung für Kleinunternehmer zur Verfügung: Bei Umsätzen bis maximal EUR 35.000 pro Jahr dürfen allgemein 45% der Betriebsausgaben pauschal als Ausgaben angesetzt werden  – wodurch sich die Steuerbelastung reduziert. Werden Umsätze zwischen EUR 35.000 und EUR 220.000 erzielt, greift die „klassische“ Basispauschalierung in Höhe von 6%. Für bestimmte Berufsgruppen, wie Künstler oder Schriftsteller, gibt es gesonderte Pauschalierungen.
 

5. Bei all der Steuer: Nicht auf die Sozialversicherung vergessen!
Blogger und Influencer sind sozialversicherungsrechtlich in der Regel sogenannte „Neue Selbständige“. Als solche unterliegen sie der Pflichtversicherung ab Beginn der betrieblichen Tätigkeit und Überschreiten der Versicherungsgrenze von Einkünften i.H.v. EUR 5.527,92 im Kalenderjahr (maßgeblicher Wert für 2020). Nachdem ein Strafzuschlag in Höhe von 9,3% zu zahlen ist, wenn die Sozialversicherungspflicht erst nach Erlass des Einkommensteuerbescheids festgestellt wird, ist es empfehlenswert, die Tätigkeit bei der SVS anzumelden, sobald das Überschreiten der Versicherungsgrenze im jeweiligen Kalenderjahr wahrscheinlich ist.

 


Sie haben Fragen? Kommen Sie gerne auf uns zu!
BDO Steuerexperte Karl Stückler hat sich speziell mit Steuern für Blogger und Influencer auseinandergesetzt.