Finance & Ethics "Philanthropie 2.0"

29 Juni 2016

Wien, 28. Juni 2016. Der soziale Kapitalmarkt ist im Wachstum begriffen. Neben der langen Tradition der Philanthropie im angloamerikanischen Raum haben europäische Staaten unterschiedliche Entwicklungsstufen erreicht. Philanthropisches Engagement privater Stiftungen und institutioneller Investoren generiert einen unverzichtbaren Impact für politische, wissenschaftliche, sozial-karitative und ökologische Aufgaben. Die private Förderung von Start-ups und Social Entrepreneurs kommt insbesondere den gesellschaftspolitisch relevanten Parametern Innovation und Beschäftigung zugute. 

Dr. Jutta und Dr. Johannes Krall, von SEFO - Sustainability Economic Forum e.V, luden gemeinsam mit den Partnerinnen und Partnern der BDO zur Präsentation des neuen Sammelbandes "Philanthropie 2.0" der SEFO-Reihe Finance & Ethics ein. 

Unter der Moderation von Mag. Peter Bartos, Partner der BDO, sprach Staatssekretär Dr. Harald Mahrer vom bmwfw über die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen für gemeinnützige Stiftungen in Österreich. Die politischen Akteure haben mit dem Gemeinnützigkeitspaket angesichts der kontemporären, themenspezifischen Herausforderungen die Notwendigkeit erkannt und Taten gesetzt. Mit der grundlegenden Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen - respektive dem neuen Gemeinnützigkeitsgesetz - wird die Förderung gemeinnütziger Aktivitäten durch private Investoren, respektive im Bereich des Stiftungswesens, angeregt und forciert. Die Generierung zusätzlicher Ressourcen sowie die Erschließung neuer Finanzierungswege implizieren umfangreiche Wachstumsimpulse und bilden so die Basis für die Ausschöpfung zukunftsweisender Innovationspotentiale. 

Mag. Nikolaus Griller von der Jungen Industrie (JI) sprach über die Entfaltungsmöglichkeiten für Start-ups und Leitbetriebe. 

Dr. Berndt Zinnöcker, Partner der BDO, referierte über die Rahmenbedingungen für Finanzierungen für Start-ups in Österreich. Die Frühphasenfinanzierung ist auch im internationalen Vergleich führend. Die Bemühungen der öffentlichen Hand durch maßgeschneiderte Förderungen hier ein attraktives Umfeld zu schaffen, finden auch über Österreich hinaus Anerkennung. Was in Österreich fehlt ist eine Förderung für Anschlussfinanzierungen in der Wachstumsphase. Deutschland aber auch England sind hier viel weiter mit ihren Förderungen bzw. steuerlichen Anreizen für Investoren. BDO schlägt hier vor das Potential des Gewinnfreibetrags zu nutzen. Der Gewinnfreibetrag könnte für Investitionen in Finanzanlagen neben Wohnbauanleihen auch Veranlagungen in start-ups, entweder als Direktveranlagungen oder auch über Fondslösungen, vorsehen. Zur Sicherstellung einer Investitionsqualität in volkswirtschaftlicher Sicht könnten das AWS bzw. die FFG als Monitoringstellen für solche Investitionen genutzt werden. Dies wäre ein relativ einfacher Weg Investitionen in Start-ups für Privatinvestoren attraktiver zu gestalten. 

Über die praktischen Erfahrungen mit den neu etablierten Rahmenbedingungen für Start-ups in Österreich gab Alexander Mann, Gründer von the ThinKing, aufschlussreiche Einblicke. 

Die steuerlichen Rahmenbedingungen für gemeinnützige Institutionen in Österreich bzw. steuerliche Aspekte des Gemeinnützigkeitspakets erläuterte Dr. Andreas Bernhart, Partner der BDO. Steuerliche Begünstigungen auf Ebene der spendenempfangenden Institutionen bedeuten zukünftig auch erhöhte Anforderungen. So sind Spendenempfänger zukünftig verpflichtet die Spenden bzw. deren Spender automationsgestützt der Finanzverwaltung zu übermitteln. Dies wird für viele Institutionen eine neue Herausforderung darstellen. Da noch nicht alle Fragen in diesem Zusammenhang abschließend geklärt sind, wird BDO über dieses Thema im Herbst weiter informieren. 

Den Abschluss bildete die Vorstellung des Prix Pictet durch Bénédicte Reisser, Leiterin Österreich und Osteuropa, Pictet Asset Management, Pictet & Cie S.A., der Philanthropie als Selbstverständnis am Beispiel des aktuellen Zyklus des prämierten Fotobandes "Disorder". 

Dr. Jutta Krall Geschäftsführerin von SEFO: "Neben sozialen, wissenschaftlichen, kulturellen und ökologischen Zielsetzungen gemeinnütziger Investitionen nimmt die Förderung der Verbesserung des gemeinschaftlichen Miteinanders einen zentralen Platz ein. Gegenwärtig hat der Gesetzgeber das Potential privater Stiftungen erkannt. Die Entwicklung gesetzlicher Rahmenbedingungen setzt einen Umdenkprozess voraus und erfordert einen Paradigmenwechsel. Ungeachtet der in Österreich vorhandenen, langen Tradition sozialen Engagements und privaten Spendentums ist die Fokussierung des Gemeinwohls von Seiten großer Investoren im Hinblick auf die Förderung einer nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung unverzichtbar. Gekennzeichnet durch Individualität, Flexibilität und Unabhängigkeit von den Zwängen der Demokratie und des Marktes entwickelt sich kontinuierlich ein buntes Bild philanthropisch geförderter Projekte, wovon zahlreiche in dieser Publikation angeführte Beispiele ein aussagekräftiges Zeugnis geben." 

Unter den Gästen gesichtet: Mag. Dr. Wilhelm Rasinger, Interessenverband für Anleger, Ing. Reinhard Heiserer, Vorsitzender Jugend Eine Welt, MMag. Oliver Stauber, CMS Reich-Rohrwig Hainz, Mag. Nicole Bäck-Knapp , Geschäftsführerin Ecker & Partner Öffentlichkeitsarbeit und Public Affairs GmbH, Dr. Thomas Steiner, Vorstand Österreichische Bundesfinanzierungsagentur, Ing. Mag. Wolfgang Tschiedel, Geschäftsführer Ing. Karl Frühwald Gesellschaft m.b.H., Christian-André Weinberger , Geschäftsführer STRATEGY IMPLEMENTED GmbH, Mag. Dr. Heinrich Weninger, Kathrein & Co Privatgeschäftsbank AG, Dr. Christoph Kraus, Generalsekretär Verband Österreichischer Privatstiftungen.

 

v.l.n.r. MMag. Oliver Stauber, Dr. Harald Mahrer, Dr. Jutta Krall, Mag. Peter Bartos und Dr. Johannes Krall