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EU-Kommission plant Veröffentlichung einer „schwarzen Liste“ von Steueroasen mit Ende 2017

04 Oktober 2016

Nach den Enthüllungen zahlreicher Dokumente im Rahmen von Offshore Leaks, Lux Leaks, Swiss Leaks und den Panama Papers steht die EU-Kommission unter Druck, ihre angekündigte Überarbeitung der "schwarzen Liste" von Steueroasen zügig voranzutreiben. Am 14. September 2016 hat die EU-Kommission nun die ersten Schritte zur Erstellung einer gemein­samen EU-Liste nicht kooperativer Steuergebiete vorgestellt.

Mit der "Scoreboard Phase" hat die EU-Kommission eine Liste veröffentlicht, welche alle Länder außerhalb der EU nach den Kriterien "Wirtschaftliche Beziehungen zur EU", "Finanztätigkeiten" und "Stabilitätsfaktoren" bewertet. All jene Länder, die in diesen Rubriken stark vertreten sind, wurden anschließend anhand der Risikofaktoren "Transparenz beim Informationsaustausch", "Gewährung von Steuervergünsti­gungen" und "keine Erhebung von Körperschaftsteuer" bewertet, um das jeweilige Risiko der Begünstigung von Steuervermeidung zu ermitteln. Die Liste kann unter folgendem Link abgerufen werden.

Auf Basis dieser Liste wählen die EU-Mitgliedstaaten bis Jahresende jene Gebiete, welche näher auf ihre Eignung als Steueroase untersucht werden sollen. In der anschließenden "Screening Phase" prüft die EU-Kommission die Standards für verantwortungsvolles Handeln im Steuerbereich und tritt mit den ausgewählten Ländern in ein Dialogverfahren, in dem diese ihre Kooperation in Steuersachen mit der EU intensiveren können.

Sobald die Überprüfung abgeschlossen ist, werden in der "Listing Phase" alle Länder, die eine Zusammenarbeit mit der EU verweigert haben, auf die "schwarze Liste" gesetzt. Die Liste soll mit Ende 2017 veröffentlicht werden.

Es wird abzuwarten sein, welche Länder am Ende des Tages auf die Liste gesetzt werden. Klares Ziel der EU-Kommission ist jedoch die Herstellung einer absoluten Steuertransparenz, insbesondere von im Ausland veranlagtem Kapitalvermögen, welche nicht nur die EU-Kommission, sondern auch die einzelnen Mitgliedstaaten mit immer stärkeren Nachdruck einfordern.

Mag. Mario Schlächter
Steuerberater, Manager
Telefon: +43 1 537 37-450
mario.schlaechter(at)bdo.at