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Anstellung von geringfügig Beschäftigten aus Dienstgebersicht (Kalenderjahr 2019)

09 April 2019

In vielen Ordinationen ist es üblich geringfügig Beschäftigte anzustellen. Die Definition „Geringfügigkeit“ bezieht sich dabei jedoch nicht auf die Art der Leistungserbringung, sondern ausschließlich auf die Höhe des Entgelts (derzeit 2019 max. EUR 446,81 im Kalendermonat). Für den Dienstgeber hat diese Art der Beschäftigung den Vorteil, dass grundsätzlich nur der Unfallversicherungsbeitrag (1,2% des Entgelts) sowie ab dem zweiten Beschäftigungsmonat die betrieblichen Mitarbeitervorsorgebeiträge (1,53% des Entgelts bei Beschäftigungsbeginn ab dem 01.01.2003) monatlich anfallen, da der Dienstnehmer keiner Kranken-, Pensions- oder Arbeitslosenversicherungspflicht unterliegt.

Allerdings sind folgende Sonderbestimmungen vom Dienstgeber zu beachten:

  1. Sachbezüge (z.B. Sachgeschenke, vergünstigtes Essen oder auch zu hohe Mitarbeiterrabatte) fließen in die Höhe des Entgelts ein und führen bei Überschreitung der Geringfügigkeitsgrenze zu einer Vollversicherung.
  2. Bei einem zumindest für einen Monat vereinbarten Dienstverhältnis wird das Entgelt auf den gesamten Monat hochgerechnet. Deshalb ist es möglich, dass der Dienstnehmer weniger als EUR 446,81 im jeweiligen Kalendermonat verdient, jedoch trotzdem der Vollversicherung mit allen beitragsrechtlichen Konsequenzen (somit Nachzahlungen für den Dienstnehmer und Dienstgeber) unterliegt.
  3. Werden mehrere geringfügig Beschäftigte angestellt und dabei das 1,5fache der Geringfügigkeitsgrenze (im Kalenderjahr 2019 EUR 670,21 insgesamt) überschritten, so fällt eine pauschale Dienstgeberabgabe in Höhe von 16,4% des Entgelts an (quasi ein Strafzuschlag für den Dienstgeber als Motivation zur Beschäftigung von mehr vollversicherten Mitarbeitern)

Zu beachten ist, dass es für den Dienstgeberbeitrag (3,9% des Entgelts) sowie die Kommunalsteuer (3,0% des Entgelts) bei Gesamtbruttoentgelten (sowohl geringfügig als auch vollversicherte Dienstnehmer) von bis zu EUR 1.460,00 einen Freibetrag von EUR 1.095,00 gibt. Bei Überschreitung der EUR 1.460,00 unterliegen dagegen alle Entgelte den beiden Lohnnebenkosten, da der Freibetrag entfällt. Dieser Kostenfaktor müsste daher bei geringfügig Beschäftigten berücksichtigt werden.

Abschließend ist zu bemerken, dass geringfügig Beschäftigte grundsätzlich die gleichen Arbeitnehmerrechte (Arbeitszeit, kollektivvertragliches Entgelt, Urlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall) wie vollversicherte Dienstnehmer genießen, da die Geringfügigkeit ausschließlich ein Ausdruck der Sozialversicherung und nicht des Arbeitsrechts ist. 

Aufgrund der Fehleranfälligkeit sollte diese Beschäftigungsform vorab geprüft werden, um unangenehme bzw. finanziell nachteilige Überraschungen bereits im Vorfeld auszuschließen.