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Was uns in der der Wirtschaft bewegt – Wieso wir erneuerbare Energien innovieren, aber nicht einsetzen

04 November 2021

Stellen Sie sich vor, es gibt erneuerbare Energien und keiner nutzt sie. Aktuelle Berichte verbreiten die frohe Kunde, dass in der EU im letzten Jahr erstmals mehr Strom durch erneuerbare Energien als durch fossile Brennstoffe erzeugt wurde. Trotzdem kann die Welt immer noch nicht aufatmen. Vom 31. Oktober bis zum 12. November findet die UN-Klimakonferenz statt und schlägt schon im Vorfeld Alarm: Bestehende Pläne eskalieren in einer Erwärmung von 2,7 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts (1,5 Grad sind das eigentliche Ziel). Wie kann es sein, dass wir die Werkzeuge bereits in der Hand halten, aber immer noch nicht wissen, wie wir sie einsetzen?

 

Wenn die Verbindung von Angebot zur Nachfrage fehlt

Um das Klimaziel zu erreichen, müssen Staaten ihre Klimaschutzbemühungen versiebenfachen, heißt es von der UN-Konferenz COP26 (26th Conference of the Parties), die in Glasgow stattfinden wird. 197 Länder nehmen daran teil, einige davon, darunter die G7, haben ihre Ziele neuerdings verschärft, um wieder auf Kurs zu kommen und 70% der Weltwirtschaft haben zumindest bekundet, sich auf Net-Zero-Emissions auszurichten. Auch die UN verkündet stolz, dass in zwei Dritteln der Welt Solar- und Windenergie mittlerweile billiger ist als Kohle- oder Gaskraftwerke. Es gäbe also auch einen ökonomischen Anreiz für die Green Transition – wäre da nicht eine Sache: Es gibt keinen einheitlichen Markt für erneuerbare Energien.

Das zögerliche Umsteigen auf saubere Ressourcen liegt weniger daran, dass uns die Technologien fehlen: Es gibt Solar- und Windenergie, Wasserkraft, Biomasse und Erdwärme. Das eigentliche Problem ist die fehlende Infrastruktur – wie soll grüner Strom gespeichert und transportiert werden? Während die immer weitere Suche nach dem Next Big Thing in der Energieerzeugung Vorrang zu haben scheint, wird gerne darauf vergessen, dass all diese Innovationen nicht nützlich sind, wenn wir sie nicht nutzen können. Im Programm der Klimakonferenz findet sich nur ein Panel unter unzähligen, das sich ausgewiesen mit dem Thema Infrastruktur befassen wird. Die Global Green Grids Agenda will sich auf das Ausrollen weltweiter Netze fokussieren – und steckt dabei noch in den Kinderschuhen. Geboren wurde die Idee in Indien und ein Einbinden mehrerer Staaten verläuft derweil noch schleppend.

 

Ein Markt ohne Teilnehmer ist kein Markt

Eine Dezentralisierung unserer Energiesysteme ist einerseits Voraussetzung für skalierbare erneuerbare Energien. Manche davon, so wie Windenergie, fluktuieren in der Leistungserzeugung immer noch stark, weswegen grüne Stromquellen gemeinsam genutzt werden müssen, um Balance und sichere Versorgung zu gewährleisten. Andererseits braucht es eine vernetzte Infrastruktur – vorrangig auf europäischer Ebene – um die Unabhängigkeit unserer Union zu garantieren. Die derzeitige Rekordhöhe von Gas- und Strompreisen macht unsere Abhängigkeit von Energieimporten schmerzlich bewusst, wir beziehen 90% unseres Erdgases und 97% des Erdöls von außen. Um Preisdruck entgegenzuhalten und mögliche Unterbrechungen abzufedern, ist es notwendig eine Infrastruktur zwischen den Mitgliedsstaaten aufzubauen – ein Umstand, welcher der EU nur allzu bewusst ist.

Wie eine EU-Studie allerdings ermittelte, gibt es in einer möglichen grünen Infrastruktur noch etliche Löcher. Transparenz und Koordination fehlen entlang der gesamten Wertschöpfungskette: Energieerzeuger sind kaum in Kontakt mit Verteilnetzbetreibern, diese kaum mit Handelspunkten und schlussendlich kommt der saubere Strom nicht beim Endkonsumenten an – weder bei privaten Haushalten noch in der Industrie. Einer der Hauptgründe für diese Fragmentierung ist das Fehlen von Regulatorien und Standardisierung. Jeder Mitgliedsstaat, fast jede Region, setzt auf ihre eigenen Devisen bezüglich Erzeugung und Distribution von erneuerbaren Energien. Und wenn alle mit ihren Werkzeugen die Schrauben in verschiedene Richtungen drehen, kann kein neuer Markt entstehen.

 

Eine Europäische Energieunion

Hier wäre die Lösung bereits zum Greifen nah: Erneuerbare Energien reduzieren die Erzeugungskosten, Energieträger wie Wasserstoff können Energie auf mehrere Weisen transportieren (Netzsysteme, LKWs, etc.), Unternehmen und damit ganze Industrien können ihre Wertschöpfung klimaneutral verrichten und all das ermöglicht neue Märkte, globale Konkurrenzfähigkeit und das Einhalten der Klimaziele. Um diese Vision wahr werden zu lassen, hat die EU bereits mehrere Strategiepapiere erlassen und Projekte ins Leben gerufen.

Eines davon ist das Trans-European Network for Energy (TEN-E), welches bestrebt ist, Energieinfrastrukturen der Mitgliedsstaaten zu vernetzen. Dazu sollen mehrere pan-europäische Korridore geschaffen werden, welche die Union mit Elektrizität, Gas und Öl versorgen.

 

Es gibt erneuerbare Energien, also lassen Sie uns diese auch nutzen. Während top-down Infrastrukturen vorbereitet werden, sollten Unternehmen sich bottom-up für die Wende rüsten. Treffen Sie Vorkehrungen, um auf erneuerbare Energien umzusteigen und vernetzen sie sich schon jetzt mit den Teilnehmern der Wertschöpfungsketten von morgen.

 

Sie fragen sich, welche Förderungen es für Sie gibt, um klimaneutral zu werden? Besuchen Sie unsere Homepage und lassen Sie sich von uns beraten!

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Kontakt Petra Lahofer

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