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HOLEN SIE SICH IHR GELD VOM FINANZAMT ZURÜCK

08 April 2016

Ab März, wenn die Lohnzettel von den Dienstge­bern an das Finanzamt übermittelt wurden, stellen sich Steuerpflichtige die Frage, bekom­me ich Geld vom Finanzamt zurück? Laut Medienberichten versäumen viele Arbeitnehmer diese Gelegenheit und schenken dem Staat ihr hart verdientes Geld. Wie Sie Ihr Geld bekommen können, lesen Sie im Folgenden.

Grundsätzlich sind bei der ARBEITNEHMERVER­ANLAGUNG drei Möglichkeiten zu unterschei­den: Die Pflichtveranlagung, die Veranlagung über Aufforderung durch das Finanzamt und die Antragsveranlagung.

PFLICHTVERANLAGUNG

Als lohnsteuerpflichtiger Dienstnehmer sind Sie zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet, wenn einer der folgenden Fälle zutrifft und das zu versteuernde Jahreseinkom­men mehr als 12.000 Euro beträgt.

  • Sie haben Nebeneinkünfte (z.B. aus einem Werkvertrag, aus sonstiger selbständiger Tätigkeit, aus Vermietung oder ausländische Einkünfte, die aufgrund des anzuwendenden Doppelbesteuerungsabkommens zwar steuer­frei sind, aber für den Progressionsvorbehalt herangezogen werden müssen) von mehr als 730 Euro bezogen.
  • Sie haben Einkünfte aus Kapitalvermögen (Überlassung von Kapital, realisierte Wert­steigerungen, Derivate), die keinem KESt-Abzug unterliegen.
  • Sie haben Einkünfte aus einem privaten Grundstücksverkauf erzielt, für die keine ImmoESt abgeführt wurde oder für die die Abgeltungswirkung nicht eintritt.
  • Sie haben Einkünfte aus nichtselbstständiger Tätigkeit erzielt, für die keine Lohnsteuer einbehalten wurde (zB Grenzgänger).
  • Sie haben gleichzeitig zwei oder mehrere Gehälter und/oder Pensionen erhalten, die beim Lohnsteuerabzug nicht gemeinsam ver­steuert werden.
  • Sie haben zu Unrecht den Alleinverdiener- /Alleinerzieherabsetzbetrag oder den erhöhten Pensionistenabsetzbetrag bean­sprucht.
  • Sie haben zu Unrecht ein (zu hohes) Pend­lerpauschale in Anspruch genommen.
  • Sie haben gegenüber dem Arbeitgeber eine unrichtige Erklärung bezüglich des steuer­freien Zuschusses zu den Kinderbetreu­ungskosten abgegeben.
  • Sie wurden als Arbeitnehmer unmittelbar für die Lohnsteuer in Anspruch genommen.

In den ersten drei Fällen (Nebeneinkünfte von mehr als 730 Euro, Kapitaleinkünfte, Grund­stücksverkauf) verwenden Sie das normale Einkommensteuererklärungsformular E1 und allenfalls die Zusatzformulare E1a (bei Einkünf­ten als Selbständiger), E1b (bei Vermietungs­einkünften), E1c (bei land- und forstwirtschaft­lichen Einkünften mit Pauschalierung) bzw. das Formular E1kv (bei Kapitaleinkünften). In allen anderen Fällen, die im engeren Sinn als Arbeit­nehmerveranlagung bezeichnet werden, ver­wenden Sie das Arbeitnehmerveranlagungsfor­mular L1.

AUFFORDERUNG DURCH DAS FINANZAMT

In folgenden Fällen kommt das Finanzamt erfahrungsgemäß im Spätsommer durch Über­sendung eines Steuererklärungsformulars auf Sie zu und fordert Sie auf, eine Arbeitnehmer­veranlagung für 2015 bis Ende September 2016 einzureichen.

  • Sie haben Krankengeld, Entschädigungen für Truppenübungen, Insolvenz-Ausfallsgeld, bestimmte Bezüge aus der Bauarbeiter-Ur­laubs- und Abfertigungskasse oder Bezüge aus Dienstleistungsschecks bezogen oder eine beantragte Rückzahlung von Sozialversicherungsbeiträgenerhalten.
  • Bei der Berechnung der laufenden Lohn­steuer wurden Steuerminderungen aufgrund eines Freibetragsbescheides (z.B. Wer­bungskosten, Sonderausgaben, außerge­wöhnliche Belastungen) berücksichtigt.

ANTRAGSVERANLAGUNG

Für die Antragsveranlagung haben Sie fünf Jahre Zeit. Wenn wider Erwarten statt der erhofften Gutschrift eine Nachzahlung heraus­kommt, kann der Antrag binnen eines Monats wieder zurückgezogen werden. In folgenden Fällen sollten Sie von sich aus aktiv werden:

  • Sie hatten 2015 schwankende Bezüge oder Verdienstunterbrechungen während des Kalenderjahres (z.B. Ferialpraxis, unterjäh­riger Wiedereinstieg nach Karenz). Es wurde dadurch auf das ganze Jahr bezogen zu viel an Lohnsteuer einbeahlten (Formular L1).
  • Sie haben Sonderausgaben, Werbungskos­ten, außergewöhnliche Belastungen bisher noch nicht oder in zu geringer Höhe geltend gemacht (Formular L1).
  • Sie haben den Antrag auf den Alleinverdie­ner-/ Alleinerzieherabsetzbetrag und/oder auf ein Pendlerpauschale / Pendlereuro noch nicht dem Arbeitgeber übergeben, wes­halb diese bei der laufenden Lohnverrech­nung noch nicht berücksichtigt werden konnten (Formular L1).
  • Sie haben Kinder, für die Sie Familien­beihilfe (einschließlich Kinderabsetzbetrag) erhalten und für die Ihnen daher der Kinder­freibetrag von 220 Euro pro Kind zusteht. Den erhalten Sie aber nur, wenn Sie ihn mittels des Formulars L1k im Rahmen der Einkommensteuer- bzw Arbeitnehmerveran­lagung beantragen! Bei getrennter Geltend­machung durch beide Elternteile steht jedem Elternteil ein Kinderfreibetrag von 132 Euro pro Kind zu.
  • Sie haben Alimente für Kinder geleistet und es steht Ihnen daher der Unterhaltsabsetz­betrag zu (Formular L1).
  • Sie wollen Verluste, die im abgelaufenen Jahr aus anderen, nicht lohnsteuerpflichti­gen Einkünften (z.B. aus der Vermietung eines Hauses) entstanden sind, steuermin­dernd geltend machen. Dann müssen Sie das Formular E1 verwenden.
  • Sie haben aus früheren unternehmerischen Tätigkeiten einen Verlustvortrag, den Sie bei Ihren Gehaltseinkünften geltend machen wollen (Formular E1).
  • In manchen Fällen erhalten Sie Geld vom Finanzamt gutgeschrieben, obwohl Sie gar keine Einkommen- oder Lohnsteuer bezahlen (= „Negativsteuer“ bzw. „SV-Rückerstat­tung“): 
  1. Sie haben Anspruch auf den Alleinverdie­ner/Alleinerzieherabsetzbetrag, verdie­nen aber so wenig, dass Sie keine Ein­kommensteuer oder Lohnsteuer zahlen müssen.
  2. Von Ihrem Gehalt oder Ihrer Pension (neu seit 2015!) wurde zwar Sozialversicherung abgezogen, aber keine Lohnsteuer, dann erhalten Sie dennoch eine Steuergut­schrift. Diese errechnet sich mit einem Prozentsatz der Sozialversicherungsbei­träge und ist gedeckelt. Sollten Sie zumindest ein Monat Anspruch auf das Pendlerpauschale haben, erhöht sich die Negativsteuer zusätzlich.

Negativsteuer / 
SV-Rück­erstattung

bis 2014

2015

ab 2016

 

% von SV

max

% von SV

max

% von SV

max

Anspruch auf Alleinverdie­ner-/-erzieherabsetzbe­trag

---

494 Euro*)

---

494 Euro*)

---

494 Euro*)

ohne Pendlerpauschale 

10 %

110 Euro

20 %

220 Euro

50 %

400 Euro

mit Pendlerpauschale

18 %

400 Euro

36 %

450 Euro

50 %

500 Euro

Pensionisten

keine

keine

20 %

55 Euro

50 %

110 Euro

 *) bei zwei Kinder 669 Euro, für jedes weitere Kind zusätzlich jeweils 220 Euro.

Vergessen Sie bei der Abgabe der Steuererklä­rungen (E1 oder L1) nicht zwei wichtige Beila­gen. Sie beziehen sich auf Sondersachverhalte im Zusammenhang mit Kindern (L1k) und mit nichtselbständigen Einkünften ohne Lohn­steuerabzug (L1i) wie z.B. Auslandsbezüge, Einlösung von Bonusmeilen. 

  • Das Formular L1k enthält kinderbezogene Angaben bzw. Anträge, wie z.B. Antrag auf Berücksichtigung des Kinderfreibetrages von 220 Euro pro Kind, Antrag auf Berück­sichtigung des Unterhaltsabsetzbetrages, Geltendmachung einer außergewöhnlichen Belastung für Kinder (wie z.B. Krankheits­kosten, Zahnregulierung, Kosten der auswär­tigen Ausbildung und Kinderbetreuungskos­ten bis 2.300 Euro für Kinder bis zum 10. Lebensjahr) sowie Angaben zur Nachver­steuerung eines vom Arbeitgeber zu Unrecht steuerfrei behandelten Zuschusses des Ar­beitgebers zu den Kinderbetreuungskos­ten.
  • Das Formular L1i betrifft eine Reihe von internationalen Sachverhalten bei Arbeit­nehmern bzw. Pensionisten, wie z.B. die Pflichtveranlagung von Einkünften unbe­schränkt Steuerpflichtiger, die ohne Lohn­steuerabzug bezogen werden (z.B. Grenz­gänger, Auslandspensionen, Arbeitnehmer, die Bezüge von ausländischen Arbeitgebern erhalten oder die bei einer ausländischen diplomatischen Vertretungsbehörde oder internationalen Organisation in Österreich - z.B. UNO, UNIDO - beschäftigt sind). Hier sind aber auch die steuerpflichtigen Vorteile aus der privaten Einlösung von Bonusmeilen zu erfassen, für die der Arbeitgeber keine Lohnsteuer abführen muss. Sofern aber diese nichtselbständigen Einkünfte von dritter Seite im Kalenderjahr 730 Euro nicht über­schreiten, bleiben diese steuerfrei.
  • Wenn Sie Wertpapiere besitzen und dabei Verluste realisiert haben, schreibt Ihnen in der Regel Ihr Bankinstitut die Kapitalertrag­steuer dafür gut, vorausgesetzt Sie haben ausreichend ausgleichsfähige positive Ein­künfte (=„Verlustausgleich“). Lautet das Wertpapierdepot aber nicht auf Sie alleine, ist z.B. auch Ihr/e Partner/in als Mitinhaber eingetragen, wird dieser Verlustausgleich nicht von der Bank vorgenommen. Auch wenn Sie bei verschiedenen Banken Wertpa­pierdepots haben, wird kein bankenübergrei­fender Verlustausgleich vorgenommen. Sie müssen in diesen Fällen Bescheinigungen über den Verlustausgleich anfordern und können dann bei der Steuererklärung mit dem Formular E1kv bei einem Wertpapier­depot nicht verwertete Verluste mit anderen positiven Einkünften aus Kapitalvermögen ausgleichen (Verlustausgleichsoption).