Diversität. Alte Denkpfade verlassen und neue Wege entwickeln

Unser Thema am People Thursday, dem 9. Juni 2022:


 

Polizist – Woran denken Sie? Welche Bilder tauchen dabei vor Ihrem geistigen Auge auf?

Die ersten Assoziationen könnten sein: männlich, weiß,  autoritär. Unser Gehirn aktiviert beim Wort „Polizist“ sofort eine innere, geistige Vorlage oder Schablone. Das Problem ist, dass diese Schablonen im Normalfall nur eingeschränkt der Realität entsprechen und Polizist:innen Individuen mit verschiedenen Eigenschaften, Interessen und Bedürfnissen sind. Wenn wir ihnen jedoch auf der Straße begegnen, ordnen wir sie der Kategorie Polizist:in zu und nehmen sie meist nicht als Individuen wahr.

 

Wie Schubladendenken unsere kognitiven Prozesse organisiert und vereinfacht

Um Diversität und individuelle Unterschiede um uns herum wahrzunehmen, benötigt unser Gehirn jedoch eine enorme Verarbeitungskapazität. Diese ist jedoch nicht immer ausreichend vorhanden. Das Gehirn nimmt daher oft den einfacheren Weg und reduziert die Informationslast, indem es Kategorien bildet. Im Sinne der sozialen Kategorisierung nehmen wir andere Menschen als Teil von sozialen Gruppen statt als Individuen wahr und ordnen sie Gruppen entsprechend ihrer wahrgenommenen Ähnlichkeiten wie z.B. Geschlecht, Alter oder Herkunft zu.

Diese Organisation in Gruppen hilft uns bei der Bewältigung des Alltags und spart kognitive Ressourcen, beeinflusst aber auch unser Denken bzw. unsere Beurteilung der Personen innerhalb dieser Gruppen. Der Grund dafür liegt darin, dass wir jeder sozialen Gruppe bestimmte Eigenschaften oder Glaubenssätze zuschreiben. Ein klassisches Beispiel: Buben (soziale Gruppe) sind gut in Mathematik oder spielen gerne mit Autos. Wir entwickeln also allgemeine, vereinfachte Beschreibungen und Annahmen über jene Personen innerhalb der sozialen Gruppe, sog. Stereotype.

Zudem ordnen wir uns auch selbst Kategorien zu und werden dadurch vom Individuum zum Mitglied einer Gruppe. Für ein positives Selbstbild ist es wichtig, dass die eigene Gruppe so gut wie möglich dasteht. Hierfür muss ich entweder die eigene Gruppe aufwerten oder die anderen Gruppen abwerten, indem ich ihnen negative Eigenschaften zuschreibe oder Positives abspreche.

 

Unsere Stereotypen bewusst wahrnehmen und gegensteuern

Unsere Tendenz zum Schubladendenken und der teils kritischen Begegnung oder gar Ablehnung von Fremdgruppen begleitet uns unser ganzes Leben. Wir sind unseren Stereotypen nicht vollkommen ausgeliefert, wir müssen sie uns aber bewusst machen und gegensteuern. Besonders die folgenden Maßnahmen können dabei helfen:

  • Kooperation für ein gemeinsames Ziel: Das Lösen von gemeinsamen Aufgaben, um ein Ziel zu erreichen, verbindet und lässt zusammenwachsen. Generell fördert Kollaboration statt Wettbewerb das Verständnis für andere Gruppen sowie die gegenseitige Unterstützung.
  • Kontakt zu mehreren Gruppenmitgliedern: Austauschformate mit mehr als einem Gruppenmitglied, um keine Ausnahmen zu generieren (z.B. „IT-ler sind alle eigenartige Nerds, außer der Mann meiner Freundin, der ist echt cool.“)
  • Kontakt in freundlicher, ungezwungener Umgebung, z.B. gemeinsame Events, Workshops, spielerisches Kennenlernen, um die anderen Gruppen besser kennenzulernen und Stereotype abzubauen

Diese Maßnahmen können unterschiedliche Teams, Generationen, Geschlechter, Kulturen, Personen mit physischen Beeinträchtigungen innerhalb und außerhalb des eigenen Unternehmens betreffen.

 

Zusammengefasst können wir festhalten, dass Kategorisieren und Stereotype normal sind, aber auch von uns sozial am Leben erhalten werden. Je mehr wir bewusst gegensteuern und uns so viel wie möglich mit Personen aus vermeintlich anderen Gruppen austauschen und zusammenarbeiten umso stärker können wir unsere konstruierten Stereotype abbauen und damit neue Wege in Richtung Diversität entwickeln.

 

 


Autorin:

Sandra Donhauser 
   
Learning & Development - People & Organisation
s[email protected]
+43 5 70 375 - 1293

 


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