Enabler HR – Nachhaltig beitragen in Krisenzeiten

Unser Thema am People Thursday, dem 20. Oktober 2022:


 

Die Pandemie und die Zuspitzung des Arbeitskräftemangels haben Unternehmen in den letzten Jahren vor komplexe Herausforderungen gestellt. Nun bringen Inflation, bevorstehende Rezession und sinkende Kaufnachfrage viele Branchen unter Druck. Daraus kann ein bevorstehender Personalabbau resultieren. Wie kann HR vor diesem Hintergrund konkrete Maßnahmen zur Resilienz im Unternehmen beitragen?

 

HR - Brückenbauer zwischen strategischer Gestaltung und empathischer Vermittlung

Wenn sich eine Krise an die nächste reiht und sie sich ineinander verschachteln, wirkt alles diffus. Herauszutreten aus dem Nebel, damit Augen und Herz wieder klar sehen können, ist wohl der erste wichtigste Handlungsschritt. Es gilt die Komplexität zu reduzieren, indem sie in klar umgrenzte, handhabbare Problemstellungen zergliedert und sortiert wird, um daraufhin in Aktion zu treten. Dafür braucht es Mut, Risikobereitschaft und die Fertigkeit des Brückenbauens. Mit diesen Fähigkeiten kann sich HR als strategischer Gestalter positionieren. Um die Organisation hin zu einer resilienten und zukunftsfähigen Entwicklung zu führen, müssen unterschiedliche Perspektiven bedient werden. Zum einen die rational, strategische Perspektive des Managements, die den Blick auf Fortbestand, Marktsicherung, Finanzierung und Kennzahlen fokussiert. Zum anderen die emotionale, bedürfnisorientierte Perspektive der Mitarbeiter:innen, bei der Arbeitsplatzsicherheit, Arbeitsgestaltung, Wertschätzung und Weiterentwicklung im Mittelpunkt stehen.

Wie navigiert HR durch Zeiten der Instabilität und Ungewissheit und sorgt gleichzeitig dafür, dass sich alle Beteiligten sicher und wertgeschätzt fühlen? Nach welchen Prinzipien sollte HR vorgehen, um sowohl die strategische Ausrichtung mitzutragen als auch die Belegschaft in einer emotionalen Unruhephase gezielt zu unterstützen? Mit passgenauen Aktionen kann HR die eigene Wahrnehmung für beide Perspektiven schärfen und in ihrer Rolle als Brückenbauer kraftvolle Impulse liefern, um die Handlungsfähigkeit auf beiden Seiten zu garantieren.

 

HR Essentials auf 3 Ebenen

Für eine strategische Gestaltung und empathische Vermittlung ist es hilfreich, nachfolgende drei Ebenen zu berücksichtigen. Greifen diese ineinander, wird nicht nur die Wirkkraft von HR sichtbar, auch die Leistungsbereitschaft erhöht sich und es entsteht Lösungsvielfalt.

  1. „Verstehen“ – die kognitive Ebene
    Verstehen, warum eine Veränderung gerade jetzt in Krisenzeiten Sinn ergibt, ist maßgeblich für alle Beteiligten. Zielgruppengerechte Information ist dabei ein wesentlicher Stabilisator - sie vermittelt Klarheit, gibt Orientierung und beantwortet das Warum. HR liefert als Teil der Führungskoalition strategisch relevante Kennzahlen, steuert lösungsorientierte Strategieschritte und setzt empathische Umsetzungsmaßnahmen. Da Veränderungen emotionale Stresssituationen darstellen, in denen Verlustängste, emotionale, rationale sowie politische Widerstände aufflackern, gilt es Austauschformate herzustellen, in denen ein konstruktiver Umgang erlernt werden kann. Management und HR müssen jetzt präsent sein, emphatisch, ehrlich in den Austausch gehen und mögliche Auseinandersetzungen nicht meiden, sondern leben! Bleiben negative Auswirkungen für Betroffene jedoch unvermeidbar, gilt es diese gekonnt zu unterstützen. Von Formen der Weiterqualifizierung bis hin zu einer wertschätzenden Trennungskultur sollte HR passgenaue Maßnahmen entwickeln.
     
  2. „Wollen“ - die emotionale Ebene
    Verstehen ist das eine. Mitmachen „wollen“ ist das andere. Voraussetzung eines jeden Wandels ist es, die Mitarbeiter:innen emotional für diesen zu gewinnen, damit Vertrauen und Identifikation mit dem Neuen wachsen können. Sinngebend, wegweisend und ein verbindendes Element ist dabei eine kraftvolle Vision. Gerade in der Krise ist sie unablässig für das Durchhaltevermögen, denn sie weckt den Glauben an eine positive Zukunft und stärkt die Zugehörigkeit. Institutionalisierte Orte des Zuhörens und des Austauschs, in denen sich Menschen ohne Angst einbringen können, stärken das Vertrauen. In einer Atmosphäre des gegenseitigen Respekts sind wir fähig, Altbewährtes und sogar uns selbst zu hinterfragen sowie alte Verhaltensweisen und eingespielte Strukturen loszulassen. Das geht Hand in Hand mit dem positiven Gefühl miteinander verbunden zu sein. Das Wir-Gefühl trägt durch Krisen. Durch gezielte Dialogformate kann Austausch ritualisiert stattfinden, um das Gefühl sozialer Verbundenheit und Geborgenheit zu stärken. Teamerlebnisse erwecken Glücks- und Erfolgsgefühle und erleichtern das Erlernen neuer Verhaltensweisen. Die eigene innere Haltung ist zudem eine jener positiven Energiequellen, die Veränderung leichter gelingen lassen. Nutzen wir die Kraft einer optimistischen Haltung, erschaffen wir förderliche Denkweisen und somit Möglichkeitsräume. Gerade in einer Zeit, in der Irritation und Angst vor Verlust vorherrschen, ist es wichtig, Wertschätzung zu leben. Ein einfaches Dankeschön fördert das Durchhaltevermögen, erhöht die Verbundenheit, weckt intrinsische Motivation, steigert die Liebe zur Arbeit und fördert so die Resilienz im Unternehmen.
     
  3. „Können“ - die handlungsgebundene Ebene
    Im stringenten Vorgehen Rahmenbedingungen auf organisationaler Ebene zu schaffen, die eine Umsetzung auf Team- und individueller Ebene ermöglichen, erhält die Handlungsfähigkeit in der Krise. Es gilt bestehende Ressourcen nutzbar zu machen oder neue bereitzustellen. Zudem sind Antworten auf folgende Fragen zu finden: Worauf kann man aufbauen? Wie können funktionierende Systeme adaptiert werden? Wo braucht es Strukturveränderung? Wo geschieht schon Neues? Wichtig dabei ist es, Funktionierendes spürbar aufzeigen und rasch den Beweis zu liefern, dass sich das Neue als brauchbar erweist. Darüber hinaus ist die Etablierung einer Informations- und Kommunikationsbasis unabdingbar. „Information ist ein Unterschied, der einen Unterschied macht“, sagte Gregory Bateson und betonte damit, dass Schweigen hinderlich ist. Eine nach vorne gerichtete Kommunikation sowie ehrliche Information über Status quo und geplante strategische nächste Schritte sorgen für den positiven Unterschied in unplanbaren Zeiten. Einmal gesendet, bedeutet allerdings nicht, dass alle Beteiligten die Botschaft im gleichen Umfang gehört und verstanden haben! Daher sind klare und verständliche Botschaften über mehrere Kanäle wiederkehrend zu kommunizieren. Im Vorfeld etablierte und gepflegte interne Austauschformate und externe Kommunikationskanäle (zu Betriebsrat, Kund:innen und Presse), erleichtern es, Kriseninformation schneller, transparenter und zielgruppengerechter zu senden. HR übernimmt dabei eine dirigierende Rolle, indem Information koordiniert und Kommunikation ermöglicht wird.

 

Fazit

Schon Heraklit von Ephesus zitierte „Nichts ist stetiger als der Wandel“. Der derzeit dauerhafte und immer schneller werdende Veränderungsprozess macht nicht (mehr) funktionierende Systeme gnadenlos sichtbar. Um zu Neugestalter:innen unserer Welt zu werden, muss sich unsere innere Haltung von Abwehr hin zu Akzeptanz verändern. Begreifen Sie dabei den Wandel als kontinuierlichen Verbesserungsprozess, um ihm aktiv zu begegnen. HR kann ein solcher Gestalter sein und sich stärker denn je als Sparringspartner für Management und Mitarbeiter:innen positionieren. Die Brücke zu bauen zwischen Bewährtem und Neuem, zwischen strategischer Gestaltung und emphatischer Vermittlung, ist für die HR-Rolle zukunftsweisend.

 


Autorinnen und Ansprechpartnerinnen: 

Kerstin Tomancok
People in Change – People & Organisation

[email protected]
+43 5 70 375 - 1384 

 

Sandra Donhauser 
Learning & Development - People & Organisation
    
s[email protected]
+43 5 70 375 - 1293


 

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