This site uses cookies to provide you with a more responsive and personalised service. By using this site you agree to our use of cookies. Please read our PRIVACY POLICY for more information on the cookies we use and how to delete or block them.

Auswirkungen COVID-19 auf den österreichischen Bankenmarkt: Quo Vadis?

Eine Marktanalyse

Die Covid-19 Pandemie hat die gesamte Wirtschaft unvorbereitet getroffen. Der Bankensektor ist im Vergleich zum Rest der Wirtschaft aufgrund der immer strenger werdenden regulatorischen Vorgaben vielleicht etwas besser vorbereitet gewesen, müssen diese doch umfangreiche Notfallszenarien vorhalten. Ein solches Notfallszenario hätte vor wenigen Monaten jedoch niemand für ein Notfallszenario gehalten, das tatsächlich Realität wird. Neben den operativen Themenstellungen, die die gesamte Unternehmerwelt treffen wie z.B. Remote-Arbeit für Mitarbeiter, Reduktion des physischen Kontakts mit Kunden, kämpfen Banken insbesondere auch mit den prozyklischen Effekten von IFRS 9. Als IFRS 9 eingeführt wurde, um „zu wenig und zu spät“ zu verhindern, ist heutzutage die Sorge, dass Banken die hohen Wertberichtigungen nicht verkraften können und die Finanzwirtschaft in Schieflage gerät. Dies spiegelt sich auch in diversen Aussagen, Stellungnahmen und Verlautbarungen von Aufsichtsbehörden und Standardsettern wider. Wir verfolgen daher die Veröffentlichungen der Banken in den letzten Monaten mit großem Interesse und möchten in dieser Marktanalyse besonders interessante Beobachtungen der letzten Wochen zusammenfassen. Insgesamt wurden hierfür 13 österreichische Banken, welche einen IFRS-Abschluss erstellen, näher betrachtet. Alle dargestellten Informationen stammen aus öffentlich zugänglichen Zwischenberichten, werden allerdings dennoch in anonymisierte Form widergegeben. Stichtag für diese Marktanalyse ist jeweils der 14.5.2020.

Fazit

Wenn auch die Angaben und die Auswirkungen von Covid-19 im 1. Quartal zum Teil sehr unterschiedlich umgesetzt wurden, ist einheitlich festzustellen, dass alle Banken von einem Anstieg der Risikokosten ausgehen werden. Dies ist die erwartbare und eingangs auch erwähnte prozyklische Wirkung von IFRS 9.

Ein Großteil der Banken hat in den Quartalsabschlüssen bereits erste Effekte in diesem Zusammenhang gezeigt. Die im Vorfeld oft diskutierte Frage, wann ein signifikanter Anstieg des Kreditrisikos vorliegt, wurde zumindest von zwei Banken iZm Covid-19 näher beschrieben: Weder Stundungen noch Unterstützungsmaßnahmen führen automatisch zu einem Stufentransfer von Stufe 1 nach Stufe 2. Im Zusammenhang zu den gesetzlichen Moratorien wird allgemein auf die diesbezügliche Accounting-Policy verwiesen, wobei die nach österreichischem Recht idR als nicht signifikante Modifikationen ohne wesentlichen Barwerteffekt beschrieben werden. Auch dies war eine erwartbare Reaktion.

Interessant ist, dass es in den Abschlüssen bisher kaum bzw. keine Aussagen zur Neugeschäftsentwicklung unter Covid-19 oder zu den Auswirkungen auf die Kapitalquoten aus der Ziehung von zusätzlichen Liquiditätslinien gibt. Auch zum Ausmaß der Inanspruchnahme von Stundungsmaßnahmen oder Moratorien gibt es keine Angaben. Dies hängt sicherlich auch mit der relativen kurzen Periode (zwei Wochen) zusammen, die im 1. Quartal in Österreich auf die strengen Maßnahmen entfällt. Zumeist wurde die Covid-19 bedingte zusätzliche Risikovorsorge als sog. „Post-Model Adjustment“ gebucht. Es bleibt also spannend, wie dies zum 30.6.2020 aussehen wird. 

Sollten Sie neugierig geworden sein und interessiert sein, aus welchen Berichten die Angaben stammen oder wenn Sie einige der Themenkomplexe mit uns diskutieren wollen, so zögern Sie nicht uns zu kontaktieren.

Julia Newertal                                     Michael Hammer


Bisherige Auswirkungen auf den Bankensektor in den Abschlüssen 2019

Von den 13 Banken haben mittlerweile alle 13 Banken ihren Abschluss für 2019 bereits veröffentlicht. EZB und FMA haben den Banken dringend empfohlen, auf Dividendenausschüttungen sowie Rückkäufe von Aktien zu verzichten. Die Aufsicht geht in jedem Fall davon aus, dass die Banken derartige Entscheidungen vorerst für zumindest sechs Monate aufschieben, jedenfalls aber bis Klarheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung besteht. Von den vier börsennotierten Banken im Prime Market an der Wiener Börse haben alle vier Banken daher ihre Hauptversammlung verschoben. Aussagen zu Covid-19 aus den Jahresabschlüssen 2019 bzw. laufenden Investoren-Informationen:

  • „Die potenziellen Auswirkungen der kürzlich auftretenden Covid-19 Fälle in Europa auf das makroökonomische Umfeld bleiben unklar und werden weitgehend von den weiteren Entwicklungen abhängen.“
  • „Es ist noch zu früh die möglichen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum quantifizieren zu können.“
  • „Angesichts dieser Unsicherheiten hat der Vorstand beschlossen, die zuvor kommunizierten Ziele für 2020 zurückzunehmen. In Anbetracht der Marktunsicherheiten und der Verschlechterung des makroökonomischen Umfelds sind konkrete Ziele für dieses Jahr nicht verlässlich.“
  • „Mit der globalen Ausbreitung des Virus Covid-19 wurde eine Revision der bisherigen Wirtschaftserwartungen für das Jahr 2020 erforderlich.“
  • „Es ist noch zu früh, die möglichen Auswirkungen auf das Wirtschafswachstum quantifizieren zu können. Für den Fall, dass die Effekte eher kurzfristig sein sollten und das Bild der wirtschaftlichen Lage klarer wird, können wir weiter wachsen. Sollte sich die Situation dagegen nachhaltig verschlechtern, werden wir bei Bedarf auf geänderte Rahmenbedingungen rasch reagieren.“                                                                                         

Auswirkungen auf den Bankensektor im Quartalsabschluss 31.3.2020

Von den 13 österreichischen Banken gibt es 8 Banken, die ein Datum für die voraussichtliche Veröffentlichung der Quartalszahlen in ihrem Finanzkalender auf der Homepage angegeben haben, wobei zu sagen ist, dass die Quartalsabschlüsse bzw. -meldungen zum Teil auch freiwillig erstellt und veröffentlicht werden. Bis zum 14.5.2020 haben 4 österreichische Banken einen Quartalsabschluss bzw. eine Quartalsmeldung veröffentlicht. Im Vorfeld zur Veröffentlichung der Quartalsabschlüsse gab es diverse Verlautbarungen, Stellungnahmen und Empfehlungen von Aufsichtsbehörden, Standardsettern und sonstigen Gremien, zu denen wir in den letzten Wochen in unseren diversen Newslettern sowie Webinaren informiert haben. Wie diese Empfehlungen der verschiedenen Gremien von den Banken nun interpretiert und umgesetzt wurden, soll im Folgenden überblicksmäßig dargestellt werden. Da diese zum Teil sehr unterschiedlich interpretiert wurden, ist eine Vergleichbarkeit der Angaben in standardisierter Form nicht unmittelbar gegeben. Die Angaben aus den Auszügen wurden zu den unterschiedlichen Themenkomplexen zugeordnet und im Folgenden auszugsweise widergegeben.

Risikovorsorge allgemein

 „Um sowohl das sich verschlechternde makroökonomische Umfeld als auch vorsorglich Stundungen von Kundenzahlungen aufgrund von Covid-19 zu adressieren, wurde im ersten Quartal eine zusätzliche Risi-kovorsorge in Höhe von 25 Mio. € gebildet.“ Aus dem Zwischenbericht ergibt sich weiters, dass diese Risikovorsorge vollständig für das Segment „Retail & SME gebildet wurde.

 „Das Ergebnis ist durch direkte und indirekte Effekte aus der Covid-19-Krise mit € 165 Millionen belastet: Dies betrifft Vorwegnahmen von Risikokosten durch die Implementierung von Post-Model-Adjustments sowie Anpassungen zukunftsorientierter Informationen bei der ECL-Berechnung in Höhe von € 96 Millionen sowie erste Modifikationsergebnisse durch Zahlungsmoratorien und Wertminderungen bei Beteiligungen und Firmenwerten.“

„Die Risikokosten sind – ausgehend von sehr niedrigen Werten in den beiden Vorjahren – deutlich gestiegen, wobei der überwiegende Teil dieses Anstiegs durch die Pandemie bedingt war.“

„Die Entwicklung der CET1-Quote im ersten Quartal spiegelt das erfolgreiche organische Wachstum, aber auch das durch die regulatorischen Kosten und die zusätzliche Risikovorsorge für potenzielle Covid-19-Effekte belastete Ergebnis wider.“ (Anm: Rückgang um 1,54%-Punkte im Vergleich zum 31.12.2019)

Zukunftsorientiere Informationen

„Die noch niedrigen Dotierungen von Wertberichtigungen im ersten Quartal im Zusammenhang mit Covid-19 erfolgten primär basierend auf Experteneinschätzungen und enthielten noch keine Dotierungen basierend auf der erwarteten Verschlechterung der makroökonomischen Aussichten.“

„Das große Fragezeichen für das Jahr 2020 und darüber hinaus sind die Risikokosten. Der Vorstand (…) ist grundsätzlich bestrebt, auf Basis makroökonomischer Daten und Prognosen, der Entwicklung von Bonitätseinstufungen und der Beurteilung des Privatkundenportfolios ein Maximum an vertretbaren Risikokosten so rasch wie möglich zu verbuchen. Dementsprechend wird für 2020 ein deutlicher Anstieg der Risikokosten erwartet. Basierend auf dem derzeit als am wahrscheinlichsten geltenden Szenario – einer sechsmonatigen v-förmigen Erholung – werden Risikokosten von 50 bis 80 Basispunkten des durchschnittlichen Bruttokundenkreditbestands erwartet.“

„In der Berichtsperiode kam es zu einer signifikanten Erhöhung der Wertminderungen auf finanzielle Vermögenswerte um € 144 Millionen auf € 153 Millionen, nachdem die Risikokosten in der Vergleichsperiode des Vorjahres mit € 9 Millionen auf einem sehr niedrigen Niveau gelegen waren. Ausschlaggebend für diese Entwicklung waren die durch Covid-19 bedingten Wertminderungen in Höhe von € 96 Millionen, davon entfielen auf Nicht-Finanzunternehmen € 67 Millionen und auf Haushalte € 29 Millionen. Der erhöhte Vorsorgebedarf resultierte dabei aus Post-Model-Adjustments (€ 68 Millionen) und Anpassungen zukunftsorientierter Informationen (€ 28 Millionen) für die ECL-Berechnung.“

„Die Neubildungsquote dürfte aus aktueller Sicht im Jahr 2020 auf rund 75 Basispunkte steigen, abhängig von Dauer und Ausmaß des wirtschaftlichen Einbruchs.“

„Die folgende Tabelle zeigt die Änderung der makroökonomischen Schätzungen für die Gesamtjahre 2020, 2021 und 2022 von einem Quartal zum nächsten in Prozentpunkten. Aufgrund der durch die Covid-19-Pandemie verursachten hohen Unsicherheit werden die kurzfristigen negativen Schätzungen als angemessen und belastbar angesehen. Die langfristigen Schätzungen gehen von einer wirtschaftlichen Erholung aufgrund der wirtschaftlichen Unterstützungs- und Hilfsmaßnahmen auf nationaler und supranationaler Ebene aus. Die makroökonomischen Prognosen werden entweder direkt zur Berechnung der erwarteten Kreditverluste oder als Basis für Post-Model-Adjustments verwendet.“ (Anm: Tabelle ist im Bericht abgedruckt)

„Die Post-Model-Adjustments resultieren in zusätzlichen Stage 1 und 2 Wertminderungen von € 157 Millionen (31.12.2019: € 93 Millionen), wovon € 68 Millionen auf Covid-19 zurückzuführen sind. Die Covid-19 bezogenen Post-Model-Adjustments stammen von der kollektiven Auswirkung auf Tourismus und den zugehörigen Branchen sowie Automobilindustrie, Öl und Gas und einigen Konsumgüterindustrien, insbesondere in Rumänien, Österreich, der Slowakei, Russland, Bulgarien und Serbien als Ergebnis eines Nachfrageschocks, Störungen der Lieferketten und Maßnahmen zu Eindämmung der Krise.“

 „Das Ergebnis vor Steuern des ersten Quartals 2020 von EUR -2,6 Mio. (Q1 2019: EUR 3,9 Mio.) reflektiert die letztmalig entrichtete, nicht abgrenzbare Abschlagszahlung zur Stabilitätsabgabe („Bankensteuer“) in Höhe von EUR -6,1 Mio. sowie die vorausschauende Bildung einer zusätzlichen Risikovorsorge, um Veränderungen des makroökonomischen Umfelds sowie allfällige Auswirkungen im Kreditportfolio bedingt durch Covid-19 vorwegzunehmen.

Stufentransfer

 „Obwohl eine Zunahme des erwarteten Kreditverlustes zu erwarten ist, haben wir uns in Anbetracht des gegenwärtig hohen Grads an Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung dazu entschlossen, eine Neubewertung der makroökonomischen Parameter – das heißt eine Aktualisierung zukunftsbezogener Informationen – erst im zweiten Quartal 2020 durchzuführen, unter der Annahme, dass bis dahin verlässlichere volkswirtschaftliche Prognosen erstellt werden können. (…) Die Bank hat eine Beurteilung ihrer Forderungen gegenüber einzelnen Wirtschaftszweigen vorgenommen und eine Heatmap erstellt, um die Branchen aufzuzeigen, die von der Covid-19-Krise erwartungsgemäß am stärksten betroffenen sind. Kunden, die in diesen Industrien tätig sind (zyklische Branchen, Transport, Beherbergung und Freizeit), wurden überprüft, und bei den nach Expertenmeinung risikoreicheren Kunden erfolgte ein Umstieg zur Bewertung auf Basis des über die Gesamtlaufzeit erwarteten Kreditverlustes. Die Branchen-Heatmap wird regelmäßig überprüft werden. Aufgrund des hohen Maßes an Unsicherheit wurden solche manuellen Einschätzungen auf übergeordneter Ebene im Laufe des ersten Quartals 2020 nur in Einzelfällen vorgenommen. Daraus ergab sich zum 31. März 2020 eine Erhöhung des erwarteten Kreditverlustes um EUR 61 Mio.“

 „In Bezug auf die Beurteilung einer signifikanten Erhöhung des Ausfallrisikos (significant increase in credit risk, SICR) werden öffentlichen Moratorien und Stundungen an sich nicht als automatische SICR-Auslöser betrachtet. Stattdessen wendet die Bank ihre festgelegten, spezifischen Beurteilungskriterien an, die aus qualitativen Informationen und quantitativen Schwellenwerten bestehen.“

„Aufgrund der Ausbreitung von Covid-19 auf den Weltmärkten wurden und werden von den nationalen Regierungen eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen, um die Übertragung des Virus zu verhindern, sowie wirtschaftliche Unterstützungs- und Hilfsmaßnahmen für Haushalte und Unternehmen beschlossen, um die wirtschaftlichen Folgen des Ausbruchs zu bewältigen. (…) Für die Zwecke der Beurteilung wird nicht automatisch davon ausgegangen, dass diese Maßnahmen zu einer signifikanten Erhöhung des Kreditrisikos führen, da die bestehenden Kriterien als robust angesehen werden, um auf eine signifikante Erhöhung des Kreditrisikos hinzuweisen. Darüber hinaus ist die 30 Tage überfällige widerlegbare Vermutung nicht widerlegt worden.“

„Zahlungsmoratorien werden in Bezug auf die Beurteilung einer signifikanten Erhöhung des Ausfallrisikos (SICR) nicht automatisch als SICR-Auslöser betrachtet. Die Bank wendet hingegen ihre festgelegten Beurteilungskriterien weiterhin an, die aus qualitativen Informationen und quantitativen Schwellenwerten bestehen.“

Staatliche Finanzgarantien

 „Im Rahmen öffentlicher Covid-19-Maßnahmen im ersten Quartal 2020 erhaltene Finanzgarantien beziehen sich in der Regel auf neue Kreditfazilitäten und gelten daher als integraler Bestandteil.“

„Garantien, die zum Beginn des garantierten finanziellen Vermögenswerts abgeschlossen werden, betrachtet die Bank als integralen Vertragsbestandteil des finanziellen Vermögenswerts. Die im Rahmen direktstaatlicher Programme erhaltenen Finanzgarantien beziehen sich in der Regel auf neue Überbrückungsfinanzierungen und werden daher als integraler Bestandteil berücksichtigt.“

Zahlungsmoratorien und Vertragsmodifikationen

 „Vertragliche Modifikationen würden nur dann zu einer Ausbuchung des ursprünglichen finanziellen Vermögenswerts und zum erstmaligen Ansatz des geänderten finanziellen Vermögenswerts als neues Finanzinstrument führen, wenn sich die geänderten Bedingungen wesentlich von den ursprünglichen Bedingungen unterscheiden. Basierend auf den von der Bank entwickelten Kriterien zur Beurteilung, ob eine Modifikation wesentlich ist oder nicht, führten die im ersten Quartal 2020 (…) angewandten öffentlichen Moratorien und Stundungen nicht zur Ausbuchung. Dies liegt insbesondere daran, dass die Moratorien und Stundungen in der Regel unter einem Jahr liegen und in den meisten Fällen die vertraglichen Zinsen während der Stundungsphase weiterhin anfallen. Somit werden die gewichtete Restlaufzeit sowie der Barwert der modifizierten Cashflows nicht wesentlich verändert.“

 „Abhängig von der jeweiligen lokalen Gesetzgebung kommt es zu unterschiedlichen Ausgestaltungen dieser Zahlungsmoratorien. In einzelnen Ländern (z. B. Kroatien, Rumänien, Österreich) liegt die Nutzung des Zahlungsmoratoriums im Ermessen des Kreditnehmers, in anderen Ländern (z. B. Ungarn, Serbien) ist das Zahlungsmoratorium automatisch für den Kreditnehmer nutzbar. Neben der Befristung des Zahlungsaufschubs (zwischen drei und neun Monaten) ist auch die Kapitalisierung der Zinsen (mit oder ohne Zinseszins) während der zahlungsfreien Perioden in den einzelnen Ländern unterschiedlich geregelt. Aufgrund der geänderten Zahlungspläne kann es zu einem Barwertverlust des einzelnen Kreditvertrags kommen, der in der Regel mit einer einmaligen Anpassung des Bruttobuchwerts als unwesentliche Modifikation dieses Vertrags im übrigen Ergebnis der Bank erfasst wird. Im ersten Quartal wurden diesbezüglich bereits minus € 8 Millionen im Ergebnis berücksichtigt. Mit weiteren Effekten in den Folgeperioden ist zu rechnen.“

„Die im ersten Quartal gebuchten Verluste aus modifizierten Vertragskonditionen in Höhe von € 10 Millionen (Anstieg: € 9 Millionen) resultierten überwiegend aus Covid-19-Maßnahmen, wie beispielsweise einem befristeten Zahlungsaufschub in Ungarn und Rumänien.“

 „Neben staatlichen Unterstützungsmaßnahmen, wie gewährte Überbrückungsfinanzierungen in Verbindung mit staatlichen Haftungsübernahmen, wurden in fast allen Märkten der Bank Zahlungsmoratorien eingeführt, die die Kunden dabei unterstützen, Liquiditätsengpässe infolge der Eindämmungsmaßnahmen von Covid-19 zu vermeiden. In Bezug auf Zahlungsmoratorien erwartet die Bank Modifikationsverluste, deren Höhe noch nicht final abschätzbar ist, da mehrere Faktoren darauf Einfluss haben: einerseits die Anzahl der geänderten Einzelverträge und anderseits wie weit die Zahlungen der vertraglichen Zinsen in die Zukunft verschoben werden.“

Bewertungs- und Handelsergebnis sowie sonstiges Ergebnis

 „Während sich das Handelsergebnis auf EUR -157,4 Mio (EUR 153,3 Mio) deutlich verringerte, erhöhte sich die Position Gewinne/Verluste aus Finanzinstrumenten, erfolgswirksam zum Fair Value bilanziert auf EUR 37,5 Mio (EUR -77,1 Mio), die Entwicklung beider Positionen war getrieben durch Bewertungseffekte aufgrund gestiegener Marktzinsschwankungen infolge des Covid-19-Ausbruchs.“

„Das sonstige Ergebnis (Anm: des ungarischen Segments) verschlechterte sich aufgrund der Verbuchung der geschätzten Barwertverluste aus dem Covid-19-Kreditmoratorium.“

 „Das Handelsergebnis verbesserte sich im Vergleich zur Vorjahresperiode um € 89 Millionen. Ursache dafür waren insbesondere positive Bewertungseffekte im Posten Derivate resultierend aus Marktentwicklungen im Zusammenhang mit der Ausbreitung von Covid-19. Im Wesentlichen durch den dadurch ausgelösten Anstieg der Kreditaufschläge und ab September 2019 eingegangene ökonomische Hedge-Beziehungen zum Zinsänderungsrisiko konnten höhere Bewertungsgewinne aus emittierten Zertifikaten von € 61 Millionen erzielt werden.“

Ausblick und Ziele

 „Der Ausbruch des Coronavirus (Covid-19) hat unterschiedliche Reaktionen von Regierungen auf der ganzen Welt ausgelöst. Es ist wichtig zu beachten, dass es sich hierbei in erster Linie um eine Gesundheitskrise handelt, von der die Weltgemeinschaft betroffen ist. Vieles hängt von der Wirksamkeit der eingeführten gesundheitspolitischen, steuerlichen, geldpolitischen und regulatorischen Maßnahmen ab. Angesichts der fortlaufenden Entwicklungen der Ereignisse und der Ungewissheit in Umfang und Dauer kann dies in den kommenden Monaten zu einem insgesamt herausfordernden und volatilen Marktumfeld führen.

Angesichts dieser Unsicherheiten hat der Vorstand der Bank beschlossen, die zuvor kommunizierten Ziele für 2020 zurückzunehmen. In Anbetracht der Marktunsicherheiten und der Verschlechterung des makro-ökonomischen Umfelds sind konkrete Ziele für dieses Jahr nicht verlässlich.“

 „Seit der Veröffentlichung der Finanzergebnisse für das vierte Quartal 2019 und das Gesamtjahr 2019 am 28. Februar 2020 hat sich der globale Wirtschaftsausblick deutlich verschlechtert. Da die wirtschaftliche Entwicklung das Finanzergebnis der Bank maßgeblich beeinflusst, ist 2020 eine wesentliche, derzeit jedoch noch nicht abschätzbare, Verschlechterung der Profitabilität der Bank zu erwarten. (…) Trotz dieser Maßnahmen und erster Ansätze einer allmählichen Aufhebung des allumfassenden Lockdowns in Ländern wie Tschechien und Österreich wird erwartet, dass das globale reale BIP 2020 den stärksten Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg verzeichnen wird. Für Österreich und Zentral- und Osteuropa wird derzeit ein Rückgang des realen BIP von 4,2% bis 7,5% im Jahr 2020 erwartet, mit den entsprechenden negativen Folgen für einzelne Posten der Gewinn- und Verlustrechnung, die Kreditqualität und das Eigenkapital. Konkret sollte der Zinsüberschuss 2020 aufgrund deutlicher Zinssenkungen in Tschechien, Rumänien und Serbien, einer geänderten Portfoliozusammensetzung mit staatsgarantiertem Geschäft zu niedrigeren Margen und negativer Währungseffekte zurückgehen. Der Provisionsüberschuss wird voraussichtlich vor allem unter der schwächeren Konjunktur und den folglich rückläufigen Erträgen aus Transaktionsgebühren sowie wesentlich geringeren Erträgen aus dem Wertpapiergeschäft leiden. (…) Insgesamt sollten sich die Betriebserträge 2020 verringern.“

 „Während die Betriebserträge im ersten Quartal 2020 wie geplant im Vergleich zum Vorjahr noch kräftig gestiegen sind, ist an der rückläufigen Entwicklung des Ergebnisses nach Steuern bereits zu erkennen, dass die Covid-19-Krise deutliche Spuren in unserem Geschäft hinterlassen wird.“

„Für die Eurozone wird im Jahr 2020 ein Rückgang des BIP um rund 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwartet. (…) Die österreichische Konjunktur entwickelte sich zu Jahresbeginn 2020 noch moderat positiv, die im europäischen Kontext vergleichsweise früh verhängten Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie haben die Ausgangslage jedoch schlagartig verändert. Im Gesamtjahr 2020 dürfte aus dem konjunkturellen freien Fall im ersten und der Gegenbewegung im zweiten Halbjahr ein BIP-Rückgang um 7,2 Prozent resultieren nach plus 1,6 Prozent im Jahr 2019 (2021: plus 5,9 Prozent). Die Covid-19-Rezession dürfte Österreich stärker treffen als die Eurozone insgesamt, was der größeren Bedeutung des Tourismus geschuldet ist. Nachfrageseitig ist die aktuelle Rezession – anders als jede andere vorangegangene Rezession – durch einen regelrechten Einbruch des privaten Konsums gekennzeichnet“

 „Wir streben mittelfristig eine Cost/Income Ratio von etwa 55 Prozent an und prüfen, wie sich die gegenwärtigen Entwicklungen auf die Quote im Jahr 2021 auswirken werden.“

 „Insbesondere durch sein risikoarmes Geschäftsmodell und den erfolgreich umgesetzten strategischen Initiativen der letzten Jahre sieht sich die Bank robust aufgestellt, um den Auswirkungen der Covid-19 bedingten Krise zu begegnen.“