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COVID-19-Auswirkungen auf den Bank- und Kapitalmarkt – Update per 30.3.2020

Wir verfolgen die Auswirkungen von Covid-19 auch in Ihrem Sinne genauestens. Darum möchten wir heute über die aktuellsten Ereignisse berichten. 

  • Aktienkurse: Der starke Kursabsturz der Aktienmärkte hat zu kurzfristigen Gegenbewegungen geführt und die Volatilität an den Märkten ist weiterhin enorm hoch. Ob sich bereits ein neuer Boden herausbildet, ist derzeit noch völlig unklar. US-Präsident Trump vollzieht erneut eine Kehrtwende von der Kehrtwende und rudert in Sachen frühzeitiger Öffnung der US-Wirtschaft zurück. Vor Ende April seien keine Änderungen in den Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Coronavirus denkbar. Der Höhepunkt der Pandemie mit dem Peak in den Todesfällen sei frühestens in zwei Wochen zu erwarten.

  • EURO: Der Euro hat sich von seinem 3-Jahrestief gegenüber dem USD erholen können und ist wieder über USD 1,10 geklettert.

Konjunktur: Mittlerweile liegen die Schätzungen von IHS und WIFO zu den Auswirkungen von Covid-19 auf die heimische Konjunkturentwicklung vor: Laut WIFO wird die österreichische Wirtschaft 2020 um 2,5% schrumpfen. Dies steht unter der Annahme, dass die Maßnahmen bis Ende April in Kraft bleiben, im Mai allmählich wieder aufgehoben werden und sich die Lage im Sommer normalisiert. Das IHS prognostiziert unter denselben Annahmen ein Schrumpfen der Wirtschaft von 2% für das Jahr 2020. Beide Institute haben keine Prognosen für 2021 veröffentlicht. Die Schätzung der RBI prognostiziert 2020 ein Schrumpfen der österreichischen Wirtschaft von 4,5% sowie ein 4%iges Wachstum in 2021.

Die Analysen der Raiffeisen Bank International untersuchen auch die Auswirkungen von COVID-19 auf den CEE-Raum. Sie sind zu folgenden Einschätzungen gekommen:
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Insbesondere für die Berechnung der erwarteten Kreditverluste gem. IFRS 9 ist für Institute eine Einschätzung zu makroökonomischen Entwicklungen von herausragender Bedeutung.

Auswirkungen auf die Bankenbilanzierung:

Die ESMA hat am 25.32020 ein sog. Public Statement zu den „Accounting implications of the COVID-19 outbreak on the calculation of expected credit losses in accordance with IFRS 9” veröffentlicht. Dieses wird zudem von der Europäischen Dachorganisation der Wirtschaftsprüferaufsicht (CEAOB) und der EBA unterstützt. Mit den Empfehlungen hat sich in Deutschland auch der Bankenfachausschuss des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) kurzfristig auseinandergesetzt und in einem fachlichen Hinweis am 26.3.2020 die Sichtweise der ESMA untermauert. In Österreich arbeitet AFRAC an einer Stellungnahme zu den  Covid-19-Auswirkungen auf die Bilanzierung.

Schließlich hat sich am 27.3.2020 auch das IASB zu Wort gemeldet und empfiehlt, die Verlautbarungen der ESMA und anderer Regulatoren bei der Anwendung von IFRS 9 zu berücksichtigen.

Die ESMA plädiert dafür die umfassenden staatlichen Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft angemessen zu berücksichtigen, insbesondere bei Anwendung der Wertminderungsvorschriften nach IFRS 9. Angeregt wird eine sorgfältige Beurteilung des Einzelfalls in Bezug auf die skizzierten IFRS 9-Regelvermutungen.

Das bedeutet, es muss einzelfallbezogen gewürdigt werden, ob eine signifikante Erhöhung des Kreditrisikos nach 30 Tagen vorliegt, die unter Berücksichtigung der angekündigten bzw. eingeleiteten Stabilisierungsmaßnahmen nicht widerlegt werden kann. Mitunter sollen alle Fakten und Umstände des Einzelfalls in die Beurteilung einbezogen werden, z.B. ob ein Schuldner nur einen Liquiditätsengpass erfährt und somit eine signifikante Erhöhung des Kreditausfallrisikos stattgefunden hat oder welche Gründe dagegensprechen.
Überdies empfiehlt die ESMA ein höheres Gewicht auf die Berücksichtigung von langfristig stabilen Szenarien zu legen und kurzfristige Entwicklungen nicht überzugewichten. Schließlich sollen die Bilanzierenden über die erwarteten Auswirkungen der Corona-Pandemie möglichst transparent und angemessen im Anhang berichten. Weiterhin wird von den Banken eine deutlich intensivere Ad-hoc-Berichterstattung an die Regulatoren verlangt. Frühzeitig und unaufgefordert soll über wesentliche Entwicklungen bezüglich COVID-19 informiert werden. Darunter fallen z.B. signifikante Änderungen im Kundenverhalten, eine Verschärfung der Liquiditätssituation oder die Erwartung signifikanter Verluste aus Kredit- und Marktpreisrisiken.

Die FMA hat angekündigt, ihre Aufsichtspraxis und Maßnahmen in Einklang mit den EU-Aufsichtsbehörden und –Regulatoren in der Corona-Krise anzupassen. „Das bestehende Regelwerk ermöglicht ein hohes Maß an aufsichtlicher Flexibilität, die wir umfassend nutzen“, erklärt der Vorstand der FMA, Mag. Helmut Ettl. Dipl.-Kfm. Eduard Müller, MBA meint dazu:„Wir entlasten die Banken da, wo es ohne Einbußen für die Finanzstabilität möglich ist. Es ist aber ebenso wichtig, auch in der Krise Risiken ordnungsgemäß zu identifizieren. Nur so können wir sie im Risikomanagement ordnungsgemäß erfassen, analysieren und managen.“

DIE ERLEICHTERUNGEN GEHEN MIT KURZFRISTIGEN HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE INSTITUTE EINHER

So erleichternd die vorgeschlagenen Maßnahmen auch erscheinen, ist eine Überführung der skizzierten krisenbezogenen Auslegungen und Maßnahmen in die internen aufsichtsrechtlichen und bilanziellen Regelprozesse erforderlich. In erster Linie bedarf es dazu der Kapazitäten für die erforderliche Informationsverarbeitung und -analysen. Wenn etwa ESMA und IDW feststellen, dass zwar ein „undifferenzierter, automatischer Stufentransfer“ für den Stichtag 31.3.2020 (und danach) nicht sachgerecht ist, geht damit zugleich eine einzelfallbezogene Dokumentationsaufforderung für die Bilanzierenden einher. Auch in Österreich werden diese Grundsätze gleichermaßen anzuwenden sein.

Die Herausforderungen der Institute für eine Covid-19-gerechte Bewältigung der Anforderungen an Bankorganisation und -steuerung sind somit gewaltig. Im Krisenmodus sind zusätzliche Aufgaben meist mit sehr enger Taktung und mit einer deutlich erhöhten Bearbeitungs- und Kontrollintensität zu bewältigen. Auf der anderen Seite stehen personelle Ressourcen möglicherweise nur eingeschränkt oder lediglich über Home Office zur Verfügung.

Aufgrund potenziell steigender Cyberangriffe müssen die Verfügbarkeit und die ausreichende Kapazität der IT-Infrastruktur laufend bewertet und getestet werden. Das Berichtswesen für die Kommunikation mit der Aufsicht ist auf die Ad-hoc-Informationsbedürfnisse der Aufsicht auszurichten und auch die Unternehmensplanung ist an kurzfristige Änderungen aufgrund von Covid-19 anzupassen.
Viele weitere Aufgabenstellungen brauchen eine angemessene Bearbeitungskapazität.

EFFEKTIVE FACHLICHE UND PERSONELLE UNTERSTÜTZUNG DURCH BDO

Fachliche Unterstützung: Wir stehen in dauerhaft engem Kontakt zu den nationalen und internationalen Standardsettern und halten Sie über die relevanten Entwicklungen im Bereich der nationalen und internationalen Rechnungslegung sowie des Aufsichtsrechts informiert. Dies schließt nicht nur eine sachgerechte und krisengeeignete Interpretation der relevanten Normen der Rechnungslegung oder des Aufsichtsrechts mit ein. Wir  helfen Ihnen auch dabei, im Dschungel der sich überschlagenden Verlautbarungen diverser Regulatoren mit unterschiedlichen Zuständigkeiten den Überblick zu behalten.

Personelle und digitale Unterstützung: Unsere erfahrenen Bankenprüfer sind unmittelbar einsatzbereit und bestens versiert, revisions- und aufsichtsgeeignete Dokumentationen zu erstellen. Nicht nur ortsunabhängig, sondern auch unabhängig davon, wie lange das öffentliche Leben noch durch eine Kontaktsperre eingeschränkt ist.

Unsere Datenaustauschplattform BDO Filexchange ist unsere Drehscheibe für das gesamte digitale, datensichere und ortsunabhängige Arbeitsleben. Beginnend mit dem Anforderungskatalog, erfolgt der effiziente Austausch von Dokumenten auf privaten, sicheren Websites, um jegliche Reibungsverluste zu vermeiden.

Unsere modernen explorativen Datenanalyse-Tools ermöglichen einen verbesserten Risikobewertungsprozess und detaillierte substanzielle Beurteilungen. Sie können verwendet werden, um bei einem bestimmten Datensatz gezielte Elemente und Informationen zu identifizieren.Datensicherheit ist hierbei garantiert! Informationssicherheit im Allgemeinen und die Sicherheit der Daten unserer Kundinnen und Kunden im Besonderen sind für BDO von größter Bedeutung. Wir haben technische und organisatorische Maßnahmen getroffen, um den Datenverkehr angemessen zu sichern und die sichere Verarbeitung Ihrer Daten zu gewährleisten.

WICHTIGE INFORMATIONSQUELLEN

Unter den folgenden Links finden Sie eine zeitnahe Orientierung zu den vorgesehenen staatlichen und regulatorischen Maßnahmen:

Europäische Zentralbank (EZB): bankingsupervision.europa.eu

Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA): fma.gv.at

European Banking Authority (EBA): eba.europa.eu/eba-statement-actions-mitigate-impact-covid-19-eu-banking-sector

European Securities and Markets Authority (ESMA): esma.europa.eu/press-news/esma-news
esma.europa.eu/sites

CEAOB: ec.europa.eu/info

Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW):  idw.de/idw/idw-aktuell

IASB: cdn.ifrs.org/-/media

Raiffeisen Bank International (RBI): „Auswirkungen Covid-19 auf Realwirtschaft und Banken in CEE”: discover-cee.com

Accountancy Europe: accountancyeurope.eu/publications
 

Falls Sie Fragen haben, welche Maßnahmen jetzt für Ihre Bank notwendig sind, um Ihr Institut gut durch die Krise zu bringen, zögern Sie nicht und kontaktieren Sie unseren Experten