Wie Österreich seine Gesundheitsdatenbank verbessern kann

Die Covid-19-Pandemie hat uns alle viel gelehrt und unseren Lebensalltag nachhaltig verändert. Abstand halten, Masken tragen oder einen 3-G Nachweis vorbereiten, bevor man ein Lokal betreten möchte. Um unnötige Behördengänge und damit Kontakte zu vermeiden, setzte die Regierung vor allem auf einen Ausbau der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Das Flaggschiff des digitalen Coronamanagements in Österreich ist sicherlich der Grüne Pass.

Die Regierung hat durch diese Krise den Gesundheitsbereich deutlich modernisiert. Dennoch gibt es immer einige Stellschrauben, an denen gedreht werden kann – Apps und Wearables bieten z.B. viele Chancen. Welche Schritte wir genau setzen müssen, warum Estland ein Pionier in Sachen E-Health ist und was die EU tun kann, erfahren Sie in diesem Beitrag.

 

Wie ist die Situation in Österreich? 

Spätestens seit der Covid-19-Pandemie ist vielen Österreicher:innen die elektronische Patientenakte (ELGA) ein Begriff. Diese stellt die nationale Basis der E-Health-Infrastruktur dar. Hier können Patient:innen Entlassungsbriefe, Laborbefunde oder auch Medikationsdaten abrufen. Die Daten werden von Gesundheitsanbietern in ELGA abgelegt, wobei sich die Datenbank auf Dokumente des stationären Bereichs sowie Einrichtungen der mobilen und stationären Pflege fokussiert. Für den Zugriff auf ELGA benötigen Sie entweder eine Bürgerkarte oder eine Handysignatur.

2021 wurde ELGA mit der Funktion des E-Impfpasses zur Erfassung der Corona-Schutzimpfung erweitert. Dadurch werden Impfungen gegen Covid-19 zentral erfasst. Impfzertifikate können anschließend einfach über einen QR-Code aus dem Portal heruntergeladen werden.

Eine weitere zentrale Anlaufstelle für Österreicher:innen rund um Covid-19 ist die telefonische Gesundheitsberatung 1450. Unter dieser Hotline werden Hilfestellungen und Antworten auf gesundheitliche Fragen geliefert sowie eine Weiterleitung zum richtigen Leistungsanbieter im Gesundheitswesen gewährleistet. Mittlerweile können Sie sogar einfach und unkompliziert einen Impftermin über diese Rufnummer vereinbaren.

 

Wo herrscht noch Aufholbedarf? 

Nachdem der Status quo in der digitalen Gesundheitslandschaft abgeklärt wurde, ist die Frage „Wo gibt es noch Potenzial nach oben?“ eminent. Laut einer Analyse der Bertelsmann-Stiftung liegt das größte Potenzial für Österreich in der verstärkten Nutzung von Gesundheitsdaten! Darüber hinaus sollten Bemühungen in den folgenden Abschnitten angestrebt werden:

  1. Klare Strategische Ausrichtung
    Hier muss das Sozialministerium in die Pflicht genommen werden, eine einheitliche und übergeordnete E-Health-Strategie zu veröffentlichen, damit eine klare Struktur geschaffen wird.
  2. Nutzbarkeit vorhandener Daten für Vorsorge und Forschung
    Ein Nachteil von ELGA ist es, dass die hochgeladenen Informationen momentan nicht strukturiert und automatisiert verarbeitet werden können – vor allem für die Sekundärnutzung im Bereich der Forschung. Aktuell wird in diesem Bereich lediglich die E-Medikation eingebunden.
  3. Integration weiterer Datenquellen in eine übergreifende Plattform
    Spricht man von einer idealen Plattform, wird hier der Weg von Patient:innen durch das gesamte Gesundheitssystem abgebildet und diese durch die Integration neuer Potenziale und Technologien ständig weiterentwickelt. Dieser Case wird momentan jedoch noch nicht gelebt. Veraltete Strukturen, wie etwa handschriftliche Dokumentationen und unterschiedliche Systemlösungen, sind auf Dauer Hindernisse und erschweren eine übergreifende Nutzung. Es wird sich auch dafür ausgesprochen, nicht-ärztliche Bereiche wie Diätologie oder Physiotherapie in die E-Health-Systeme zu einzubringen.

 

Vorreiter Estland: Was ist hier los?

Bevor wir uns genauer auf Österreich fokussieren, werfen wir einen Blick nach Estland. Der baltische Staat gilt nämlich als absolute Nummer 1 laut Digital-Health-Index (Stand der Digitalisierung des Gesundheitswesens). Zum Vergleich: Österreich belegt in dieser Statistik Rang 11. Das Estonian Central Health Information System and Patient Portal, kurz EHIS, bietet seinen Nutzer:innen drei entscheidende Vorteile:

  1. In Estland haben alle Patient:innen Zugriff auf persönliche Informationen zu Behandlungen.
  2. Elektronische Rezepte verbinden Allgemeinmediziner:innen, Versicherungen, Patient:innen und Pharmazeut:innen.
  3. Patient:innen haben geschützten Zugriff auf diagnostische Bilder.

Wichtig ist, dass EHIS keine zentralisierte Datenbank darstellt, sondern unabhängige Software-Systeme miteinander integriert. Alle Informationen werden direkt von Institutionen des Gesundheitswesens auf die Plattform geladen und zur Verifizierung digital signiert. Systemsicherheit und Datenschutz steht hier hoch im Kurs.

Sämtliche Funktionen von EHIS orientieren sich an zentralen Prozessen des Gesundheitssystems, wie Patient:innenakten, Rezepten, Überweisungen oder Labordiagnosen. Dies erleichtert in der Folge auch den Alltag für Mediziner:innen, da Daten zu Untersuchungen oder Medikamenten schnell abrufbar sind.

 

Fazit

Die Digitalisierung schreitet in sämtlichen Bereichen stetig voran. Warum sollten wir nun bei unserem Gesundheitswesen stoppen? Länder wie Estland haben es bereits vorgemacht und gezeigt, welche Vorteile ein moderner Ansatz im Health-Bereich bringt. Österreich konnte seine Infrastruktur zwar verbessern, jedoch haben wir unser Potenzial in dieser Hinsicht bei Weitem noch nicht erreicht.

Zum Beispiel fehlt ein einheitliches System fürs ganze Land. Viele Maßnahmen werden von den Bundesländern im Alleingang ergriffen, was zu parallelen Strukturen führen kann. Damit wir dieses Ziel erreichen, sind jedoch noch viele Schritte von Datenschutzangelegenheiten bis hin zur Bereitstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen durchzuführen. Der Schlüssel zum Erfolg ist, dass wir eine Infrastruktur schaffen, die die Stakeholder:innen aus Bund, Länder, Wissenschaft, Sozialversicherung, Ärzt:innen, Industrie und Patient:innen integriert und gleichwertig in den Schaffensprozess einbindet.

Einen Lichtblick liefert womöglich schon bald die EU. In einem Europäischen Gesundheitsdatenraum soll die Basis für die Zukunft gelegt werden.[1]

 


Hier finden Sie die aktuelle Presseinformation 

 


[1] Vgl. De Keersmaecker, European Health Union: A European Health Data Space for people and science https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/ip_22_2711 (abgefragt am 6.5.2022).