Im Der Standard Steuerblog voraus befasst sich Eva Martischnig, Expertin für nationale und internationale Förderungen für Forschung und Entwicklung, Forschungsprämie sowie Investitions- und Umweltförderungen, mit den ab 2026 geltenden Forschungsprämienrichtlinien FoPR 2025, die die Förderkriterien verschärfen.
Sie berät Unternehmen jeder Größe und Branche in Bezug auf nationale und internationale Förderungen für Forschung und Entwicklung, Forschungsprämie sowie Investitions- und Umweltförderungen.
Unternehmen müssen ab 2026 strengere Kriterien, klare Dokumentation und präzisere Abgrenzungen beachten, um weiterhin von der Förderung zu profitieren.
Die Forschungsprämie gehört zu den beliebtesten Förderinstrumenten unseres Landes. Sie unterstützt Unternehmen, die Neues entwickeln oder bestehendes Wissen in ungewohnter Weise weiterdenken. Ihr Prinzip ist simpel: Wer ein Forschungs- oder Entwicklungsprojekt (FuE) betreibt oder FuE-Arbeiten in Auftrag gibt, kann einen Teil der Kosten – nämlich 14 Prozent – als Steuergutschrift vom Finanzamt zurückerhalten. Die Prämie umfasst ein breites Spektrum an Aktivitäten: von naturwissenschaftlich-technischer Forschung bis zu sozial- und geisteswissenschaftlichen Vorhaben. Entscheidend ist stets, dass die Tätigkeiten den Kriterien der "Allgemeinen Richtlinien für statistische Erhebungen über Forschung und experimentelle Entwicklung" der OECD, dem sogenannten Frascati-Handbuch, entsprechen und diese fünf grundlegenden Merkmale besitzen: Neuartigkeit, schöpferische Tätigkeit, Ungewissheit, Systematik und Reproduzierbarkeit.
Machen Sie den Selbstcheck!
Um zu prüfen, ob Ihr Projekt förderfähig ist, sollten Sie alle folgenden Fragen mit "Ja" beantworten können:
Ob ein Projekt förderwürdig ist, entscheidet die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), die die Finanzämter bei der Vergabeentscheidung als unabhängige Expertenorganisation unterstützt. Grundlage des FFG-Gutachtens ist die sogenannte Projektbeschreibung für Jahresgutachten. Diese Beschreibung soll in einem Kurztext (maximal 3.000 Zeichen erlaubt) eine aussagekräftige, präzise Darstellung der Forschungsprojekte bzw. -schwerpunkte liefern.
Unternehmen müssen dabei dokumentieren und nachweisen können, dass sie mit klarer Zielsetzung an einer wissenschaftlichen oder technischen Unsicherheit arbeiten und dabei einen strukturierten, dokumentierten Forschungsprozess anwenden. Viele Aktivitäten, die in der Praxis häufig mit FuE verwechselt werden – etwa reine Produktverbesserungen – sind explizit nicht begünstigt.
Beispiel: Wer etwa lediglich eine Software anpasst oder ein bestehendes Verfahren für neue Kund:innenanforderungen skaliert, kann dies nicht unter dem Dach der Forschungsprämie verorten. Gleichzeitig betonen die Richtlinien aber, dass unterstützende Tätigkeiten – also etwa die sorgfältige Dokumentation eines Versuchs oder die Datensammlung innerhalb eines Projekts – weiter begünstigt bleiben.
Größere Bedeutung bekommt auch die saubere Trennung zwischen Entwicklung und Produktion. Sobald ein Projekt seine "Produktionsreife" erreicht, also der experimentelle Charakter endet, fällt es aus dem förderfähigen Bereich heraus. Das klingt einfach, ist in der Praxis aber oft heikel, gerade wenn Prototypen oder Pilotanlagen gebaut werden. Dort, wo neue technische Lösungen erprobt werden, bleibt die Prämie möglich. Dort, wo bereits der laufende Betrieb vorbereitet wird, endet sie.
Die FoPR 2025 bringen jedenfalls eine Neuausrichtung der Förderlogik, eine präzisere Abgrenzung der Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten gemäß Frascati-Handbuch sowie erweiterte Dokumentationspflichten. Ziel der Neuregelung ist eine einheitlichere Auslegung der Forschungsprämie. Damit einher gehen jedoch aufwändigere und detailliertere Nachweiserfordernisse. Was bleibt, ist der starke finanzielle Anreiz, in forschungsnahe Vorhaben zu investieren.
Der Weg zur Prämie wird allerdings strukturierter, formaler und anspruchsvoller. Unternehmen sollten sich daher frühzeitig mit den neuen Anforderungen auseinandersetzen, um Rechtssicherheit zu gewinnen sowie den Blick bezüglich der eigenen Innovationsprozesse zu schärfen. Und vielleicht ist genau das der größte Effekt der neuen Richtlinie: Sie motiviert nicht nur, FuE voranzutreiben, sondern etabliert auch ein hochqualitatives Monitoring. Dieses gewährleistet für die Unternehmen selbst Kontrolle und Transparenz und reduziert so Unsicherheiten im Hinblick auf mögliche Überprüfungen.
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Sie berät Unternehmen jeder Größe und Branche in Bezug auf nationale und internationale Förderungen für Forschung und Entwicklung, Forschungsprämie sowie Investitions- und Umweltförderungen.
Unternehmen müssen ab 2026 strengere Kriterien, klare Dokumentation und präzisere Abgrenzungen beachten, um weiterhin von der Förderung zu profitieren.
Die Forschungsprämie gehört zu den beliebtesten Förderinstrumenten unseres Landes. Sie unterstützt Unternehmen, die Neues entwickeln oder bestehendes Wissen in ungewohnter Weise weiterdenken. Ihr Prinzip ist simpel: Wer ein Forschungs- oder Entwicklungsprojekt (FuE) betreibt oder FuE-Arbeiten in Auftrag gibt, kann einen Teil der Kosten – nämlich 14 Prozent – als Steuergutschrift vom Finanzamt zurückerhalten. Die Prämie umfasst ein breites Spektrum an Aktivitäten: von naturwissenschaftlich-technischer Forschung bis zu sozial- und geisteswissenschaftlichen Vorhaben. Entscheidend ist stets, dass die Tätigkeiten den Kriterien der "Allgemeinen Richtlinien für statistische Erhebungen über Forschung und experimentelle Entwicklung" der OECD, dem sogenannten Frascati-Handbuch, entsprechen und diese fünf grundlegenden Merkmale besitzen: Neuartigkeit, schöpferische Tätigkeit, Ungewissheit, Systematik und Reproduzierbarkeit.
Machen Sie den Selbstcheck!
Um zu prüfen, ob Ihr Projekt förderfähig ist, sollten Sie alle folgenden Fragen mit "Ja" beantworten können:
- Neuheit: Strebt meine Aktivität nach neuen Erkenntnissen?
- Schöpferische Tätigkeit: Handelt es sich um keine Routinetätigkeiten? Verwende ich neue, objektive Konzepte oder Ideen, die den Wissensstand erweitern?
- Unsicherheit: Liegt ein Element der Unsicherheit hinsichtlich des Ergebnisses vor?
- Systematische Vorgehensweise: Handelt es sich bei meiner Aktivität um einen bewussten, planmäßig ablaufenden Prozess?
- Übertrag- und Reproduzierbarkeit: Sind die Ergebnisse für Dritte nachvollziehbar und/oder reproduzierbar?
Ob ein Projekt förderwürdig ist, entscheidet die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), die die Finanzämter bei der Vergabeentscheidung als unabhängige Expertenorganisation unterstützt. Grundlage des FFG-Gutachtens ist die sogenannte Projektbeschreibung für Jahresgutachten. Diese Beschreibung soll in einem Kurztext (maximal 3.000 Zeichen erlaubt) eine aussagekräftige, präzise Darstellung der Forschungsprojekte bzw. -schwerpunkte liefern.
Unternehmen müssen dabei dokumentieren und nachweisen können, dass sie mit klarer Zielsetzung an einer wissenschaftlichen oder technischen Unsicherheit arbeiten und dabei einen strukturierten, dokumentierten Forschungsprozess anwenden. Viele Aktivitäten, die in der Praxis häufig mit FuE verwechselt werden – etwa reine Produktverbesserungen – sind explizit nicht begünstigt.
Die FoPR 2025: Ein Paradigmenwechsel in der Auslegung
Nun steht die größte Neuausrichtung seit ihrer Einführung bevor. Mit Anfang 2026 sollen die neuen Forschungsprämienrichtlinien 2025 (FoPR 2025) in Kraft treten – ein umfangreiches Werk von fast 150 Seiten, das die bisherigen Kapitel in den Einkommensteuerrichtlinien (ab Rz 8208ff.) ablöst. Die Verwaltung erhofft sich einheitlichere Entscheidungen zur Förderwürdigkeit von Projekten. Gleichzeitig müssen sich Unternehmen auf neue Spielregeln einstellen. Denn auch wenn die Richtlinien offiziell erst ab 2026 gelten, können sie im Rahmen von Prüfungen bereits jetzt eine Rolle spielen, sofern die bislang angewendeten Vorschriften für Unternehmen nicht günstiger – zum Beispiel weniger streng – ausgestaltet sind. Das schafft Unsicherheit, die sich nur durch saubere und transparente Dokumentation in den Griff bekommen lässt. Projektziele, Hypothesen, Versuchsanordnungen, Ergebnisse und Schlussfolgerungen müssen klar nachvollziehbar sein und können gegebenenfalls auch Gegenstand bei der Betriebsprüfung sein.Klarere FuE-Abgrenzung, aber engerer Rahmen
Inhaltlich schärfen die Richtlinien vor allem das Verständnis davon, was überhaupt als Forschung und experimentelle Entwicklung gelten kann. Es reicht nicht nur aus, an einem Produkt zu feilen oder Abläufe zu verbessern – entscheidend ist ein echtes Erkenntnisziel, das über gängiges Branchenwissen hinausgeht und dessen Ergebnis zu Beginn offen ist. Die FoPR 2025 schärfen diese Definition entlang der Frascati-Kriterien: FuE muss neuartig sein, also sowohl für das Unternehmen Neuland bedeuten als auch objektiv über den Branchenstandard hinausreichen; bloß bekannte Lösungen anzuwenden oder bestehende Systeme nachzubauen, genügt nicht. Ebenso verlangen die Richtlinien ein systematisches, reproduzierbares Vorgehen, in dem Ziele, Hypothesen, Versuchsanordnungen und Ergebnisse klar dokumentiert werden. Zugleich grenzen sie deutlicher von nicht begünstigten Tätigkeiten ab: Marktstudien, Zertifizierungsunterlagen, Routine-Softwareentwicklung oder standardisierte Tests sind nur förderfähig, wenn sie eindeutig Teil eines FuE-Projekts sind. Reine Zertifizierungs- oder Zulassungsunterlagen, Routinetätigkeiten oder das bloße Anpassen bestehender Software zählen ausdrücklich nicht dazu.Beispiel: Wer etwa lediglich eine Software anpasst oder ein bestehendes Verfahren für neue Kund:innenanforderungen skaliert, kann dies nicht unter dem Dach der Forschungsprämie verorten. Gleichzeitig betonen die Richtlinien aber, dass unterstützende Tätigkeiten – also etwa die sorgfältige Dokumentation eines Versuchs oder die Datensammlung innerhalb eines Projekts – weiter begünstigt bleiben.
Größere Bedeutung bekommt auch die saubere Trennung zwischen Entwicklung und Produktion. Sobald ein Projekt seine "Produktionsreife" erreicht, also der experimentelle Charakter endet, fällt es aus dem förderfähigen Bereich heraus. Das klingt einfach, ist in der Praxis aber oft heikel, gerade wenn Prototypen oder Pilotanlagen gebaut werden. Dort, wo neue technische Lösungen erprobt werden, bleibt die Prämie möglich. Dort, wo bereits der laufende Betrieb vorbereitet wird, endet sie.
Auftragsforschung und eigenbetriebliche Leistungen: strenge Mitteilungspflichten
Komplexer wird es auch bei Auftragsforschung und konzerninternen Leistungsbeziehungen vs. eigenbetrieblicher FuE. Wer Forschungsarbeiten einkauft, muss die Auftragnehmenden rechtzeitig darüber informieren, dass die Leistungen für ein prämienrelevantes Projekt bestimmt sind. Fehlt diese Mitteilung, kann das zwar in bestimmten Fällen nachträglich aufgearbeitet werden, doch das setzt eine saubere Aktenlage voraus. Unternehmen, die in der Vergangenheit Projekte versehentlich als eigenbetrieblich gemeldet haben, die in Wahrheit aber Auftragsforschung waren, werden künftig genauer begründen müssen, dass keine doppelte Förderung vorliegt. Die Richtlinien lassen solche Korrekturen zu, verlangen dafür aber konsequente Nachweise.Dokumentation als Erfolgsfaktor
Ein besonders sensibler Bereich sind die Kosten. Über allem steht der Ruf nach mehr "Prüfungsstabilität". Dafür gelten künftig noch höhere Anforderungen hinsichtlich einer lückenlosen Zeiterfassung, vollständiger technischer Projektdokumentation sowie sauberer und nachvollziehbarer Kostenkalkulationen. Vor allem eine korrekte, transparente Berechnung der Personalkosten ist unabdingbar. Gleichzeitig erweitern die Richtlinien den Katalog jener Kosten, die anerkannt werden können. So können unter anderem Beiträge zu wissenschaftlichen Netzwerken, fachspezifische Fortbildungen oder der Zugang zu Fachliteratur und Datenbanken die Bemessungsgrundlage erhöhen – sofern diese unmittelbar der Forschung dienen.Fazit: Was Unternehmen jetzt tun sollten
Es sei vorweggenommen, dass die FoPR 2025 – aktuell ein Entwurf – vor der Publikation der endgültigen Fassung bis Ende des Jahres an einzelnen Stellen noch überarbeitet werden wird. Für Unternehmen heißt das: Dranbleiben lohnt sich. Sobald die finalen Richtlinien vorliegen, sollten diese – bei Bedarf auch mit externer Unterstützung – sorgfältig analysiert und die daraus resultierenden Schlüsse für das eigene Unternehmen gezogen werden.Die FoPR 2025 bringen jedenfalls eine Neuausrichtung der Förderlogik, eine präzisere Abgrenzung der Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten gemäß Frascati-Handbuch sowie erweiterte Dokumentationspflichten. Ziel der Neuregelung ist eine einheitlichere Auslegung der Forschungsprämie. Damit einher gehen jedoch aufwändigere und detailliertere Nachweiserfordernisse. Was bleibt, ist der starke finanzielle Anreiz, in forschungsnahe Vorhaben zu investieren.
Der Weg zur Prämie wird allerdings strukturierter, formaler und anspruchsvoller. Unternehmen sollten sich daher frühzeitig mit den neuen Anforderungen auseinandersetzen, um Rechtssicherheit zu gewinnen sowie den Blick bezüglich der eigenen Innovationsprozesse zu schärfen. Und vielleicht ist genau das der größte Effekt der neuen Richtlinie: Sie motiviert nicht nur, FuE voranzutreiben, sondern etabliert auch ein hochqualitatives Monitoring. Dieses gewährleistet für die Unternehmen selbst Kontrolle und Transparenz und reduziert so Unsicherheiten im Hinblick auf mögliche Überprüfungen.
Alle BDO Steuerblog voraus Artikel hier zum Nachlesen
