Was ist neu und wo stecken die EUR 14 Mrd.?
Für das zentrale Förderprogramm für Forschung und Innovation stehen EUR 14 Mrd. entlang der strategischen Ziele der EU zur Verfügung. Das finale Arbeitsprogramm der laufenden Förderperiode versucht, Vereinfachungen für Antragsteller:innen durch reduzierten administrativen Aufwand umzusetzen, und fokussiert auf neue multidisziplinäre Calls. Damit bereitet es den Übergang zur nächsten Ausschreibungsrunde vor.Mit dem letzten Arbeitsprogramm von Horizon Europe im Rahmen der laufenden Programmperiode möchte die EU den Zugang zur Einreichung für Neueinsteiger:innen erleichtern und eine Fokussierung auf die Bereiche Klima, Resilienz und Digitalisierung fördern. Dafür werden auch neuartige themenübergreifende „horizontale“ Calls eingeführt. Zudem setzt die EU mit „Choose Europe“ auch weiterhin darauf, als attraktiver Forschungsstandort internationale Talente anzuziehen.
Wir haben die wichtigsten Neuerungen gegenüber den bisherigen Arbeitsprogrammen zusammengefasst.
Kürzer, weniger Themen, mehr Pauschalen: HEU soll zugänglicher werden
Die Europäische Kommission setzt im Arbeitsprogramm 2026–2027 auf Vereinfachung, insbesondere durch folgende Stellhebel:- Durch verkürzte Themenbeschreibungen präsentiert sich dieses Arbeitsprogramm um 33% kürzer im Vergleich zu vergangenen. Somit soll Interessent:innen mehr Flexibilität in der inhaltlichen Herangehensweise an die Ausschreibung eingeräumt werden.
- In bereits 41 der ausgeschriebenen Themen wird ein Zwei-Stufen-Verfahren angewandt: Zunächst wird nur ein Kurzvorschlag eingereicht, erst im zweiten Schritt folgt der vollständige Antrag. So reduziert sich das Risiko hoher administrativer Aufwände, denen keine Förderung gegenübersteht.
- Auch in der Abrechnung wartet das neue Arbeitsprogramm mit deutlichen Erleichterungen auf: 50% der Fördermittel werden mittels Lump Sum vergeben. Insbesondere bei kleinen Grants von unter EUR 10 Mio. dürfen Antragsteller:innen mit Förderpauschalen rechnen.
- Die ausgeschriebenen Themen werden um 35% reduziert, wobei insbesondere kleine Themen gestrichen wurden, um eine Konsolidierung zu erreichen. Die bestehenden Themen sind kürzer und somit weniger komplex.
- Newcomer und KMU profitieren im neuen Arbeitsprogramm von speziell auf sie zugeschnittenen Themen. Das Fast Track to Research and Innovation Scheme ermöglicht eine schnellere Evaluation des Förderansuchens für kleine Konsortien.
Neue „horizontale Calls“: clusterübergreifend und strategisch ausgerichtet
Ein echtes Strukturupdate sind die horizontalen Calls: Sie verbinden mehrere Programmcluster und sind um offene, breit definierte Themen gebaut. Damit wird erlaubt, multidisziplinäre Anstrengungen und Ressourcen in einem Projekt zu bündeln. Im Arbeitsprogramm 2026–2027 stehen zwei zentrale Calls im Fokus:- Forschung und Innovation zur Unterstützung des Clean Industrial Deals
- EUR 540 Mio. stehen dafür zur Verfügung, saubere Technologien und dekarbonisierte Industrielösungen schneller auf den Markt zu bringen.
- Damit sollen die europäische Wettbewerbsfähigkeit gesteigert, Investitionen mobilisiert und Energiepreise reduziert werden, um zur industriellen Dekarbonisierung der EU beizutragen.
- EUR 540 Mio. stehen dafür zur Verfügung, saubere Technologien und dekarbonisierte Industrielösungen schneller auf den Markt zu bringen.
- KI in der Wissenschaft
- EUR 90 Mio. stellt die EU für vertrauenswürdige KI-Anwendungen in Sektoren wie Landwirtschaft und Gesundheit zur Verfügung.
- Zusätzlich sollen mindestens EUR 77 Mio. für „AI in Science“ investiert werden.
- Durch diese Initiativen will die EU ihre strategische Position im globalen KI-Wettrennen stärken und die digitale Transformation vorantreiben.
„Choose Europe for Science“: Förderung von Karrierepfaden und Standortattraktivität
Die Initiative Choose Europe for Science wird von der Kommission in einer Aussendung als programmatischer Schwerpunkt hervorgehoben. Durch die Initiative sollen globale Talente angesprochen und die EU als Forschungsstandort international attraktiviert werden. Eines zeigt sich damit klar: Europas Attraktivität für Forschungstalente steigt.Im Arbeitsprogramm 2026–2027 stehen hierfür EUR 50 Mio. über die Marie Skłodowska-Curie Actions (MSCA) bereit, um längere und robustere Fellowships oder mehr Stabilität in Postdoc-Phasen für internationale Talente zu ermöglichen.
Schlussbetrachtung
Wer 2026–2027 für eine Förderung von Forschung und Innovationsausgaben bei Horizon Europe einreicht, findet im finalen Arbeitsprogramm der Förderperiode (1) administrative Vereinfachungen, (2) neue horizontale Großcalls (Clean Industrial Deal, AI in Science) sowie (3) einen klaren Fokus bei der budgetären Verteilung auf die strategischen Prioritäten Klima, Biodiversität, Digitalisierung und Resilienz. Dabei sollen zumindest 35% der Mittel für Aktivitäten verwendet werden, die zu den Klimazielen beitragen, 10% fließen in Biodiversitätsthemen und weitere 33% in Digitalisierungsmaßnahmen.Klar ist zudem: Der Einstieg bei Horizon Europe - insbesondere für Newcomer – wird vereinfacht. Neben den Erleichterungen bedeutet das vermutlich gleichzeitig ein höheres Antragsaufkommen und damit verstärkten Wettbewerb um die zu vergebende Förderung. Um bei einer geplanten Einreichung bestmöglich unterstützt zu werden, stehen Ihnen die Förderexpert:innen bei BDO gerne zur Verfügung.

