Horizon Europe im Finale

Weitere EU-Initiativen stärken den Forschungsstandort

Förderung & Forschung

Veröffentlicht: 
Ansprechperson(en): Eva Martischnig
Es ist eine der letzten Chancen im aktuellen Rahmenprogramm: Die Ausschreibungsrunde im Cluster 4 „Digital, Industry and Space“ des Horizon Europe Arbeitsprogramms 2026–27 steht bevor. Gleichzeitig verstärkt die EU ihre Bemühungen, internationale Spitzenforscher:innen über eigene Förderinitiativen nach Europa zu holen. Zudem gibt es Aussicht auf eine Verdoppelung des Horizon Europe Budgets für die nächste Förderperiode. Zusammengenommen erhöht das die Attraktivität Europas als Forschungsstandort. Welche Themen nun im Fokus stehen, erfahren Sie im Artikel.

Europa soll im globalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe wieder an Boden gewinnen. Dafür hat die EU mit speziellen Initiativen – darunter „Choose Europe“ – ein eigenes Budget von 500 Millionen Euro bereitgestellt. Aufgrund der hohen Nachfrage soll dieses Paket weiter ausgebaut werden. Eines zeigt sich damit klar: Europas Attraktivität für Forschungstalente steigt.

Um diesen positiven Entwicklungspfad weiter zu verstärken, stärkt die EU-Kommission das Forschungsförderumfeld durch eine deutlich höhere Mittelausstattung im kommenden Horizon Europe Rahmenprogramm: Das meistgenutzte und größte EU-Förderprogramm für Forschungs- und Entwicklungsförderung „Horizon Europe“, kurz HEU, soll deutlich ausgebaut werden. Für den Zeitraum 2028 bis 2034 ist ein Budget von rund EUR 175 Mrd. vorgesehen, was nahezu eine Verdoppelung der Mittel gegenüber der aktuellen Förderperiode bedeutet. Zum Vergleich: Für die Jahre 2021 bis 2027 wurden EUR 95,5 Mrd. bereitgestellt.

Wer nicht bis zum neuen HEU-Rahmenprogramm warten möchte, kann bereits jetzt aktiv werden und zugleich Spitzenforscher:innen durch attraktive Perspektiven für eine Zusammenarbeit in der EU gewinnen. Welche Entwicklungen im derzeit laufenden Horizon-Europe-Programm noch bevorstehen, zeigt ein Blick auf die kommenden Ausschreibungen.

Letzte Calls im aktuellen Horizon Europe Programm

In unserem Blog vom 22. Oktober haben wir bereits die verbleibenden Fördermöglichkeiten im Cluster 5 „Climate, Energy, Mobility“ beleuchtet. Aber auch im Cluster 4 „Digital, Industry and Space“ – einem für die Wettbewerbsfähigkeit Europas zentralen Programmbereich – bietet das laufende Rahmenprogramm weiterhin aktive Förderchancen. Die inhaltliche Ausrichtung folgt dabei zentralen strategischen Herausforderungen: der Stärkung der digitalen Souveränität Europas, der Absicherung kritischer industrieller Wertschöpfungsketten, dem Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft und Industrie sowie dem gezielten Ausbau strategischer Kompetenzen in Schlüsseltechnologien.
 

Was nun besonders gefragt ist

Die inhaltliche Schwerpunktsetzung von Cluster 4 spiegelt somit die zentralen Herausforderungen wider, mit denen Europa derzeit konfrontiert ist. Der veröffentlichte Programmentwurf verdeutlicht, dass insbesondere vier Themenfelder stark nachgefragt sind und entsprechend hohe Budgetallokationen erhalten:

1. Materialien, Produktion und Kreislaufwirtschaft
Im Zentrum stehen Technologien und Ansätze, die Europas Industrie unabhängiger, klimafreundlicher und technologisch führend machen sollen, beispielsweise innovative und sichere Materialien, kritische Rohstoffe und Recycling, CO₂-Nutzung und Dekarbonisierung sowie fortschrittliche Produktion und Kreislaufsysteme. Diese Themen sind stark mit Partnerschaften wie Made in Europe, Processes4Planet, Innovative Advanced Materials for the EU oder Clean Steel verknüpft.

2. Digitale Souveränität und Dateninfrastrukturen
Europa möchte die Abhängigkeit von außereuropäischen Technologien reduzieren und eigene Standards setzen. Die Ausschreibungen greifen Zielsetzungen auf wie etwa souveräne offene Internet-Stacks, Datennutzung und KI-Datenverarbeitung oder Edge-Cloud-Infrastrukturen der nächsten Generation. Diese Themen sind zentral für Europas Fähigkeit, KI-Systeme, Forschung und digitale Dienste sicher und leistungsfähig bereitzustellen.

3. Künstliche Intelligenz, Robotik und Emerging Technologies
In diesem Feld möchte Technologie-Europa den Weg in Richtung „Apply AI“-Themen, Frontier AI und sichere KI, Quanten- und Photoniktechnologien sowie 2D-Materialien und Halbleiter beschreiten.

4. Europäische Raumfahrttechnologien und Daten aus dem All
Der Raumfahrtsektor wird ausdrücklich als strategisch kritische Infrastruktur eingestuft. Wichtige Schwerpunkte sind u.a. der autonome Zugang zum Weltraum, digitale Enabler für Erdbeobachtung und Satellitenkommunikation, kritische Komponenten für europäische technologische Unabhängigkeit und neue wissenschaftliche Missionen wie Quanten-Space-Gravimetrie.
 

Schlussbetrachtung

Parallel zur laufenden Talentoffensive wird mit der Fortführung bzw. dem Ausbau des Horizon Europe Rahmenprogramms deutlich, dass Europa seine wissenschaftlich-technologische Basis sowohl verbreitern als auch vertiefen will. Gleichzeitig stehen im aktuellen Arbeitsprogramm weiterhin Budgets zur Verfügung, die gezielt genutzt werden sollten.

Wer sich intensiver mit den bevorstehenden Calls auseinandersetzen möchte, dem sei eine Veranstaltung empfohlen: In „What’s Next in Horizon Europe Cluster 4, Call 2026–27“ lädt die Horizon Europe Community Österreich zu einer umfassenden Informations- und Netzwerkveranstaltung ein, die einen fundierten Überblick über die neuen Calls bietet und Raum für Austausch mit Expert:innen sowie potenziellen Projektpartnern schafft.

Darüber hinaus gilt: Die europäische Förderlandschaft entwickelt sich rasant weiter. Um keine strategisch wichtigen Programme zu verpassen oder bei einer geplanten Einreichung bestmöglich unterstützt zu werden, empfiehlt es sich, frühzeitig den Rat spezialisierter Förderexpert:innen einzuholen. Die Förderberatung von BDO mit den EU-Spezialistinnen Eva Martischnig und Nina Londer steht Interessierten gerne zur Seite – von der ersten Orientierung über die professionelle Begleitung eines kompletten Förderantrags bis hin zur Abwicklung einer erfolgreich erhaltenen Beihilfe.
 

Autorin 
 
Nina Londer
nina.londer@bdo.at
+43 5 70 375 - 1812


 

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