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Florian Meindl, Partner bei BDO, begleitet zahlreiche Familienunternehmen des österreichischen Mittelstands schon seit vielen Jahren steuerlich sowie bei der Nachfolgeplanung.
Manfred Mauk, Senior Manager bei BDO, ist auf die Beratung von Familienunternehmen und Private Clients spezialisiert.
Viele Stolpersteine lassen sich durch rechtzeitige Vorbereitung vermeiden, um Lösungen zu finden, die sowohl betriebswirtschaftlich sinnvoll als auch familiär tragfähig sind.
Florian Meindl, Partner bei BDO, begleitet zahlreiche Familienunternehmen des österreichischen Mittelstands schon seit vielen Jahren steuerlich sowie bei der Nachfolgeplanung.
Manfred Mauk, Senior Manager bei BDO, ist auf die Beratung von Familienunternehmen und Private Clients spezialisiert.
Übergabe im Familienunternehmen: Worauf es wirklich ankommt
Die Weitergabe eines Betriebs an die nächste Generation zählt zu den anspruchsvollsten Phasen im Lebenszyklus eines Familienunternehmens. Während die Gründungsjahre oft von Pioniergeist geprägt sind, verlangt die Übergabe Fingerspitzengefühl, klare Strukturen und rechtzeitige Vorbereitung. Wer dabei strategisch vorgeht, bewahrt nicht nur das Lebenswerk der übergebenden Generation, sondern schafft auch Perspektiven für die Zukunft.Rechtzeitig planen
"Ein Generationenwechsel lässt sich nicht von heute auf morgen organisieren", erklärt Florian Meindl, Steuerberater und Partner bei BDO. "Wir raten unseren Kund:innen, fünf bis sieben Jahre vor der tatsächlichen Übergabe erste konkrete Schritte zu setzen." Dazu gehören die Klärung von Eigentums- und Führungsfragen, die steuerlich optimale Gestaltung sowie die Einbindung aller Beteiligten. Frühzeitige Planung reduziert Konfliktpotenzial und erhöht die Chance auf einen reibungslosen Ablauf.Strukturen schaffen
Ob die Nachfolge innerhalb der Familie erfolgt oder externe Führungskräfte eingesetzt werden: Verbindliche Regelungen sind unverzichtbar. Schriftliche Vereinbarungen zu Zuständigkeiten, Entscheidungswegen und Beteiligungsverhältnissen vermeiden Unklarheiten. "Viele Unternehmen geben sich Familienverfassungen oder setzen Gesellschafter:innenverträge auf. Klarheit und Transparenz in allen Belangen beugen Missverständnissen und unerfüllbaren Erwartungshaltungen vor", berichtet Manfred Mauk, ebenfalls Steuerberater und Senior Manager bei BDO, aus dem Beratungsalltag.Nachfolger:innen befähigen
Die Nachfolge ist dann erfolgreich, wenn die neue Generation die notwendige fachliche und persönliche Eignung mitbringt. Externe Ausbildung, Erfahrungen außerhalb des eigenen Unternehmens oder begleitendes Coaching sind dabei zentrale Bausteine. Eine Übergangsphase, in der Alt- und Jungunternehmer:innen gemeinsam Verantwortung tragen, erleichtert den Wissenstransfer und gibt der Belegschaft Sicherheit.Rechtliche und steuerliche Fragen
Unternehmensbewertung, Schenkungs- oder Erbschaftsregelungen, Gesellschaftsrecht sowie Pensions- oder Abfindungsfragen – die rechtlichen und steuerlichen Aspekte sind komplex und oft entscheidend für den reibungslosen Ablauf der Übergabe. Frühzeitige Information und professionelle Begleitung helfen, Belastungen zu minimieren und Rechtssicherheit für alle Seiten zu schaffen.Kommunikation ist entscheidend
Die Übergabe betrifft nicht nur die Familie, sondern auch die gesamte Belegschaft. Mitarbeiter:innen wollen wissen, wer künftig das Unternehmen führt, welche Ziele verfolgt werden und wie sich ihre Arbeitsplätze entwickeln. "Transparente Kommunikation schafft Vertrauen und stärkt die Loyalität – gerade in einer Übergangsphase, in der sonst leicht Unsicherheiten entstehen können", betont Manfred Mauk.Emotionen ernst nehmen
Ein Familienunternehmen ist mehr als eine wirtschaftliche Einheit – es wurde von den Gründer:innen mit viel Herzblut gestaltet und ist Teil der eigenen Identität. Für die abgebende Generation bedeutet die Übergabe, Kontrolle abzugeben und Verantwortung loszulassen. Für die Nachfolger:innen bringt sie neue Verantwortung und Erwartungen mit sich. Offene Gespräche, gegebenenfalls unterstützt durch Mediation oder Coaching, helfen, diesen Prozess konstruktiv zu gestalten.Viele Stolpersteine lassen sich durch rechtzeitige Vorbereitung vermeiden, um Lösungen zu finden, die sowohl betriebswirtschaftlich sinnvoll als auch familiär tragfähig sind.
Die 10 häufigsten (steuer-)strategischen Fehler bei der Unternehmensnachfolge – und wie Sie sie vermeiden
- Zu spät beginnen: Viele Unternehmer:innen schieben das Thema lange hinaus. Erfolgt die Nachfolge erst kurz vor dem geplanten Ruhestand oder gar ungeplant im Ernstfall bleiben steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten ungenutzt. Auch die Vorbereitung der Nachfolger:innen kommt oft zu kurz. Ein frühzeitiger Plan über mehrere Jahre hinweg schafft Handlungsspielraum und Sicherheit.
- Fehlende Strategie: Ohne strukturierten Nachfolgeplan entstehen Unsicherheiten – innerhalb der Familie ebenso wie im Betrieb. Wer übernimmt welche Rolle? Welche Eigentums- und Führungsrechte gelten? Fehlende Antworten führen oft zu Unstimmigkeiten. Ein schriftlich festgelegter Plan mit zeitlichen Etappen, klaren Verantwortlichkeiten und verbindlichen Regelungen schafft Transparenz und verhindert Konflikte.
- Unzureichende Unternehmensbewertung: Die Bewertung des Unternehmens ist Grundlage für steuerliche Berechnungen, Kaufpreise und Finanzierungen. Wird der Wert zu niedrig angesetzt, entstehen steuerliche Nachteile, etwa bei Entnahmen. Eine überhöhte Bewertung kann hingegen die Finanzierung der Nachfolger:innen erschweren. Eine unabhängige Bewertung sorgt für Objektivität.
- Steuerliche Begünstigungen übersehen: In Österreich gibt es aktuell zwar keine Schenkungs- oder Erbschaftsteuer (mehr), dennoch spielt die steuerliche Gestaltung eine entscheidende Rolle. Häufig übersehen Unternehmer:innen Begünstigungen, die sich etwa durch das Umgründungssteuergesetz oder durch spezielle Regelungen bei Betriebsübertragungen ergeben. Auch Grunderwerbsteuer, Immobilienertragsteuer oder Einkommensbesteuerung bei der Betriebsaufgabe sind entscheidende Punkte. Wer hier unvorbereitet agiert, riskiert unnötige Steuerlasten.
- Gesellschaftsrechtliche Fallstricke: Unklare Gesellschafterverträge, fehlende Nachfolgeklauseln oder unpräzise Regelungen zu Stimmrechten führen in der Praxis immer wieder zu Blockaden. Spätestens im Übergabefall zeigt sich, wie entscheidend saubere gesellschaftsrechtliche Strukturen sind. Eine regelmäßige Überprüfung der Verträge stellt sicher, dass rechtliche und wirtschaftliche Interessen in Einklang bleiben.
- Doppel- und Mehrfachbelastungen durch falsche Struktur: Werden gesellschaftsrechtliche Umstrukturierungen oder Übertragungen nicht sorgfältig abgestimmt, kann es zu mehrfachen Steuerbelastungen kommen – etwa durch gleichzeitige Einkommens- und Grunderwerbsteuer. Eine vorausschauende Strukturplanung verhindert diese Risiken und eröffnet Möglichkeiten für steuerlich effiziente Lösungen.
- Fehlende Absicherung der abgebenden Generation: Die Übergabe betrifft nicht nur das Unternehmen, sondern auch die persönliche Zukunft der Abgebenden. Ohne klare Regelungen zu Altersversorgung, Wohnrechten oder Abfindungen drohen finanzielle Unsicherheiten. Eine ausgewogene Gestaltung sorgt dafür, dass die abgebende Generation abgesichert bleibt, ohne die Nachfolger:innen zu überfordern.
- Finanzierung unterschätzen: Übernimmt die nächste Generation Anteile gegen Kaufpreis braucht es tragfähige Finanzierungsmodelle. Häufig werden diese zu spät oder zu optimistisch geplant. Das kann die Liquidität des Unternehmens gefährden. Die frühzeitige Abstimmung mit Banken und Investor:innen schafft daher Klarheit und Stabilität.
- Mitarbeiter:innen nicht einbinden: Die Nachfolge betrifft nicht nur Eigentümer:innen und Familie, sondern auch die Belegschaft. Wenn Mitarbeiter:innen erst im Nachhinein informiert werden, entstehen Verunsicherung und in der Folge nicht selten vermeidbare Fluktuation. Offene Kommunikation über Ziele, Zeitplan und die Rolle der Nachfolger:innen stärkt Vertrauen und Bindung.
- Emotionale Aspekte unterschätzen: Eine Unternehmensnachfolge ist mehr als ein steuerlicher oder rechtlicher Prozess. Häufig scheitern Übergaben an unausgesprochenen Erwartungen oder Konflikten zwischen den Generationen. Während die abgebende Generation loslassen muss, fühlt sich die nächste oft unter Druck gesetzt. Eine wertschätzende und offene Kommunikation auf Augenhöhe hilft, diese Spannungen konstruktiv zu bewältigen.

