Health Care:

Innovation in der Pharmaindustrie (1/5): Von der Arzneimittel-Entdeckung bis zur Geräte- und Softwareentwicklung

21 Oktober 2022

In der Pharmaindustrie herrscht Einigkeit darüber, dass jetzt die Zeit für Veränderungen ist. Bisher lag der Schwerpunkt dieses Sektors vorwiegend auf der Entwicklung und Erprobung neuer Medikamente in oft riskanten und langen klinischen Studien. Darüber hinaus ist die Herstellung von Arzneimitteln nicht nur umweltschädlicher als die Produktion von Autos, sondern auch mit enormen Kosten verbunden. Es scheint demnach, dass die traditionellen pharmazeutischen Produktionsmethoden heute bereits veraltet sind.

Zahlreiche technologische Entwicklungen und radikale Innovationen haben in letzter Zeit den Markt in Aufruhr versetzt und Pharmaunternehmen dazu gebracht, MedTech-Lösungen anzubieten. Diese fundamentale Marktumstellung verändert das Geschäftsmodell der meisten Unternehmen wesentlich. Ferner zählen MedTech-Lösungen in den meisten Fällen nicht zu den Kernkompetenzen multinationaler Pharmaunternehmen.

 

Die aktuelle Tech-Disruption wirkt sich positiv auf den Markt aus

In den letzten Jahren haben digitale Therapielösungen (Digital Therapeutics – DTx) begonnen, den derzeitigen Gesundheits- und Pharmamarkt erheblich zu verändern. Obwohl es sich bei DTx um ein recht neues Konzept handelt, wird diese Marktsparte im Jahr 2022 weltweit voraussichtlich eine Kapitalisierung von über USD 5 Mrd.1) erreichen. Da die globalen Ausgaben für die digitale Gesundheit vor kurzem rund USD 10 Mrd.2) erreicht haben, erwarten Expert:innen, dass der Markt in den nächsten Jahren weiter exponentiell wächst.

Die USA sind führend in der Entwicklung von DTx-Produkten, gefolgt von Europa und Asien. Dabei handelt es sich um klinisch getestete Tools, die medizinische Behandlungen über Software und Online-Plattformen anbieten. Die Programme basieren weitestgehend auf künstlicher Intelligenz, die die Analyse großer Datensätze gewährleistet und dabei verlässliche Prognosen liefert. Um die Gesundheitsversorgung in Echtzeit weiter zu verbessern, werden die Lösungen häufig mit zusätzlichen medizinischen Geräten kombiniert.


DTx-Innovationen am Vormarsch

Die US-Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat vor über zehn Jahren die erste rezeptpflichtige digitale Therapielösung zur Behandlung von Diabetes von WellDoc zugelassen3).

Es ist nicht verwunderlich, dass der Ausbruch der Pandemie die Popularität von DTx weiter steigerte und zur Zulassung zahlreicher neuer Produkte führte. Derzeit sind bereits mehr als 200 solcher evidenzbasierten Therapien auf dem Markt4). Die folgende Abbildung zeigt Best-Practice-Beispiele für erfolgreiche DTx-Unternehmen. Generell unterstützen DTx-Produkte die Diagnose und/oder Behandlung verschiedener Krankheiten in zahlreichen Bereichen, wie z.B. psychische Gesundheit, Herz-Kreislauf, Neurologie oder Lungenerkrankungen. Es stellt sich jedoch folgende Frage: Wie können technologie- und insbesondere KI-gesteuerte Produkte die Gesundheit von Patient:innen verbessern und warum sind sie eine sicherere, einfachere und billigere Alternative zu traditionellen Medikamenten?

Digitale Behandlungen bieten personalisierte Lösungen, die nicht nur weniger kosten, sondern auch weniger Nebenwirkungen als traditionelle Arzneimittel haben. Neben Therapien bietet der DTx-Markt auch eine steigende Anzahl von Monitoring Lösungen. Derzeit nutzen über 80% der Patient:innen digitale Hilfsmittel wie Blutdruck-, Blutzucker- oder Herzfrequenzmessgeräte sowie andere Gesundheitstracker.

Es wird erwartet, dass in den kommenden Jahren immer mehr Ärzt:innen und Pflegekräfte auf digitale Hilfsmittel wie die Fernüberwachung von Patient:innen, Telemedizin und KI-Diagnostik zurückgreifen werden.

 

Welche Risiken können DTx-Produkte mit sich bringen? 

Jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten - auch digitale Produkte bergen Herausforderungen und potenzielle Nachteile. Da virtuelle Programme generell auf realen Patient:innendaten beruhen, ist jede:r zweite Patient:in immer noch über Datenschutz, Vertraulichkeit und Sicherheitsangelegenheiten besorgt. Die Herstellung und Vermarktung von Software sowie die Entwicklung der erforderlichen Fähigkeiten kann auf dem Weg der traditionellen Arzneimittelherstellung sehr zeitaufwändig sein. Zudem ist es eine Herausforderung, den technisch weniger affinen Patient:innen, die Nutzung digitaler Gesundheitsprodukte zu erklären.

 

Große Pharmaunternehmen sollten auf zukünftige Trends in der MedTech-Industrie achten

Aufkommende Trends bestimmen die Zukunft der Gesundheitsbranche, weshalb sich die Marktteilnehmer:innen umfangreich damit befassen sollten. Generell erwarten Pharmaexpert:innen den zunehmenden Einsatz von medizinischen Robotern, Virtual-Reality-Gesundheits-Apps und weiteren Wearables. Umso mehr müssen die Unternehmen daher die derzeitige Tendenz zur Überalterung der Bevölkerung und den Ansatz der P4-Medizin, die prädiktiv, präventiv, personalisiert und partizipativ ist, berücksichtigen.

 

Zusammenfassend

  • Die traditionelle Pharmaindustrie wird durch neue digitale und technologische Innovationen sukzessive abgelöst.
  • Die aufkommenden digitalen Therapeutika (DTx) versprechen Lösungen für viele Krankheiten, insbesondere in den Bereichen psychische Gesundheit und Verhaltensstörungen.
  • Trotz der Vorteile, die MedTech-Lösungen bieten, bleibt die Vermarktung und Regulierung von DTx-Produkten sowie das Erlernen und Vermitteln des Umgangs mit den Geräten ein großes Handicap.

 

Ausblick: Trends Pharma- und Gesundheitssektor

In Hinblick auf das Auftreten von DTx-Produkten ist es von großer Bedeutung zu untersuchen, wie MedTech-Lösungen mit den Herausforderungen der alternden Bevölkerung und den Anforderungen P4-Medizin umgehen. Daher beschäftigen wir uns im nächsten Blogbeitrag mit folgender Frage: Wie verändern neue Trends den Pharma- und Gesundheitssektor und wie sollten Unternehmen diesen Herausforderungen begegnen?

Verfolgen Sie bereits Themen rund um digital Health oder sind Sie sogar persönlich davon betroffen, dann bleiben Sie dran für unseren nächsten Beitrag!

 


Autorin: 

Gabriella Panka Hevesi

g[email protected]
+43 5 70 375 - 1250

 

 

 

 


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