Kosten sparen in guten Zeiten?

Nach einigen außerordentlich guten Wirtschaftsjahren gehen die Meinungen hinsichtlich der nächsten Rezession auseinander. Gleichgültig, ob diese unmittelbar naht oder sich noch etwas Zeit nimmt, es steht fest, dass Manager, die schon in konjunkturell guten Zeiten die Kostenstruktur ihres Unternehmens optimieren, weitaus bessere Chancen haben, einen Konjunkturabschwung abzufedern und diesen sogar gewinnbringend zu nutzen.

Studien zu letzten Rezessionen zu Beginn des Jahrtausends und zur Finanzkrise 2008 zeigen, dass jene Unternehmen als Gewinner aus der letzten Rezession hervorgegangen sind, die im Vorfeld ihre Kosten umstrukturiert haben. Vor allem die Gemeinkosten stehen dabei im Fokus. Diese sind kurzfristig oft schwer zu verändern, daher sind besonders Transparenz über diese Kosten und deren Variabilisierung die Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Kostenreduktion in der Krise. Aufgrund dieser Kostensenkung konnten Unternehmen ihre Finanzmittel, Vermögensgüter und Personal schnell an die durch die Rezession veränderten Bedingungen anpassen und so die Krise besser bewältigen als ihre Mitbewerber.

Oft nicht erfolgreich

Allerdings erreicht mehr als die Hälfte der Unternehmen ihre definierten Ziele bei Kostenreduzierungsprogrammen nicht. Als die größte Hürde wird die fehlende Akzeptanz für das Programm innerhalb des Unternehmens genannt. In Krisenzeiten ist die Anspannung der Mitarbeiter höher und eine Kostensenkung ist schwieriger durchzuführen als in guten Zeiten. Dass Mitarbeiter eine Abwehrhaltung einnehmen und kein Einsparungspotenzial sehen (wollen oder können), ist nachvollziehbar, da mit dem Begriff „Kostensenkung“ in Krisenzeiten die Angst vor einem möglichen Jobverlust einhergeht.

Dagegen ist in wirtschaftlich erfolgreichen Zeiten die Aussicht, noch besser und konkurrenzfähiger zu sein, hoch motivierend für viele Mitarbeiter. In der Tat sind Kosteneinsparungsprogramme durch gesteigerte Effizienz und Effektivität immer Treiber für Wachstum und Entwicklung.

Fit werden und bleiben

Kosten zu reduzieren ist daher mehr als nur der Versuch, „billiger“ zu werden. Vorausschauende Manager verwenden Kostensenkungsprogramme nicht nur, um in den fetten Jahren aufgebaute Ineffizienzen zu reduzieren, sondern auch um Strukturen nachhaltig an die Geschäftsstrategie anzupassen. Die freiwerdenden Ressourcen können anderweitig verwendet werden, machen das Unternehmen flexibler und finanzieren notwendige Veränderungen, wie die digitale Transformation und Wachstum. Erfolgreich sind Unternehmen, die sich ambitionierte Ziele setzen und diese kommunizieren, deren Top-Management sichtbar hinter den Maßnahmen steht und die neben zielgerichteten Einsparungen auch weiter investieren. Nachhaltigkeit stellt jedoch eine nicht mindere Herausforderung dar. Denn dafür müssen im Unternehmen sowohl Kompetenzen, Prozesse, Systeme und Anreizmechanismen als auch eine Kultur des Kostenbewusstseins etabliert werden.

Experten:

Günter Holl                                   Christopher Houben
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