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Breites Spektrum an medizinischer Versorgung

08 April 2019

Eine hochkarätige Expertenrunde referierte und diskutierte in den Räumlichkeiten der BDO zum brandaktuellen Thema „Primärversorgungseinheit in der Struktur eines Netzwerks (PVN)“.

Eine hochkarätige Expertenrunde referierte und diskutierte in den Räumlichkeiten von BDO zum brandaktuellen Thema „Primärversorgungseinheit in der Struktur eines Netzwerks (PVN)“. Rund 50 Ärztinnen, Ärzte und Interessierte waren der Einladung von Gastgeber Andreas Bernhart, Partner BDO und Leiter des Competence Center Freie Berufe, gefolgt.

Eine verbesserte Work-Life-Balance für Ärztinnen und Ärzte sowie eine adäquate Versorgung der Patienten durch eine Ausdehnung der Ordinationszeiten verspricht sich Melitta Bohn-Rieder von der Ärztekammer Wien vom kürzlich zwischen der Österreichischen Ärztekammer und dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger abgeschlossenen bundesweiten Gesamtvertrag für Primärversorgungseinheiten (PVE). Neben den Hausärzten stehe nun ein breites Spektrum an Versorgungsmöglichkeiten – in Form von Zentren und Netzwerken - zur Verfügung. Dies sei auch in Hinblick auf den Ärztemangel ein Schritt in die richtige Richtung. „Ziel ist, ein funktionierendes System zu etablieren, von dem Patienten wie auch Ärzte profitieren. Die 24/7-Versorgung kann Realität werden“, so Bohn-Rieder.   

Doch wie sieht der Entstehungsprozess aus? „Zu allererst muss man sich auf ein medizinisches Konzept einigen“, betonte Rechtsanwalt Karlheinz Kux, der am Projekt zur Ausarbeitung des „Innenlebens samt Außenwirkung“ für PVE und PVN maßgeblich beteiligt war. Deshalb haben Experten ein 30-seitiges Musterversorgungskonzept mit individuellen Versorgungszielen erstellt. „Erst wenn sich die Ärzte auf ein medizinisches Konzept geeinigt haben und dies auch verschriftlicht haben, können die nächsten Schritte, wie die Wahl der Rechtsform und die elektronische Vernetzung, gesetzt werden.  

75 PVE sollen österreichweit entstehen, davon 36 bis zum Jahr 2025 in Wien. Die überwiegende Versorgung wird weiterhin bei den Hausärzten liegen. „Es soll ein Nebeneinander von Hausärzten und PVE geben, PVE wird nicht bevorzugt werden“, sagte Thomas Holzgruber, Kammeramtsdirektor der Ärztekammer Wien. Ärzte haben nun die Möglichkeit, ihre Einzelordinationen untereinander sowie mit nicht ärztlichen Leistungen zu vernetzen, ohne dass diese unter einem Dach angeboten werden. Grundsätzlich können PVE überall entstehen. Die Erfahrung aus Pilotprojekten zeige, dass „Primärversorgungseinheiten nicht dort entstehen, wo die Politik sie will, sondern dort, wo die Ärzte sie wollen“, sagte Holzgruber.

Die steuerlichen Aspekte von PVE-Netzwerken erläuterte Patricia Andretsch, Director BDO. Ob OG, GmbH oder Verein - besonders bedeutsam sei, welche Rechtsform zu einer möglichst geringen Steuerbelastung führt. Rechenbeispiele zeigen, dass die Vereinslösung gekoppelt mit Einzelmitgliedern aus steuerlicher Sicht sehr attraktiv ist. „Doch die ideale Rechtsform gibt es nicht“, so Andretsch, die eine individuelle Evaluierung der steuerlichen Auswirkungen sowie der außersteuerlichen Motive der Rechtsformwahl empfiehlt.  

Im Anschluss sprach Thomas Lechner, Partner BDO, mit den Mitgliedern der PVN Sierning-Neuzeug über ihre Erfahrungen.

„Es ist eine Herausforderung das Netzwerk mit Leben zu erfüllen. Wenn dies gelingt liegen die Vorteile, speziell auch für weibliche Medizinerinnen, auf der Hand“, berichtete Wolfgang Gruber. Auch Walter Binder ist vom Konzept PVN überzeugt: „Die Medizin rückt wieder in den Mittelpunkt, das Administrative fällt weg und auch in Hinblick auf die reduzierten Arbeitszeiten kann ich dieses Modell den Kolleginnen und Kollegen nur empfehlen“.       

 

vlnr: Karlheinz Kux, Walter Binder, Thomas Lechner, Patricia Andretsch, Thomas Holzgruber, Wolfgang Gruber, Andreas Bernhart

Fotocredit Viennamotion.