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FERIENJOBS: WAS DÜRFEN KINDER VERDIENEN?

13 Juni 2016

Die alljährliche Frage, wie viel Kinder in den Feri­en verdienen dürfen, ohne dass deren Eltern Gefahr laufen, die Familienbeihilfe und den Kinderabsetzbetrag zu verlieren, soll in folgen­der Übersicht beantwortet werden:

  • Kinder bis zur Vollendung des 19. Lebens­jahres dürfen ganzjährig beliebig viel ver­dienen, ohne dass bei den Eltern die Fami­lienbeihilfe und der Kinderabsetzbetrag gefährdet sind. 
  • Kinder über 19 Jahre müssen darauf ach­ten, dass das nach dem laufenden Einkom­mensteuertarif zu versteuernde Jahresein­kommen (nach Abzug von Sozialversiche­rungsbeiträgen, Werbungskosten, Sonderaus­gaben und außergewöhnlichen Belastungen) 10.000 Euro nicht überschreitet, um die Familienbeihilfe und den Kinderabsetzbe­trag nicht zu verlieren. Dies gilt unabhängig davon, ob das Einkommen in den Ferien oder außerhalb der Ferien erzielt wird.
    Das bedeutet, dass das Kind umgerechnet Gehaltseinkünfte von insgesamt bis zu brutto rd 12.400 Euro pro Jahr (Bruttogehalt ohne Sonderzahlungen) bzw. einschließlich der Sonderzahlungen brutto rd 14.500 Euro pro Jahr verdienen kann, ohne dass die Eltern um die Familienbeihilfe und den Kinderabsetzbetrag bangen müssen. Sollte das zu versteuernde Einkommen des Kindes 10.000 Euro überschreiten, wird die Fami­lienbeihilfe nur um den übersteigenden Betrag vermindert und ist zurückzuzahlen.

Beispiel: Ein Student hat am 10.6.2015 das 19. Lebensjahr vollendet. Daher ist im Jahr 2016 erstmals das Einkommen des Kindes rele­vant. Beträgt das steuerpflichtige Einkommen im Jahr 2016 zB 10.700 Euro, wird die Fami­lienbeihilfe nur mehr um 700 Euro gekürzt.

BDO-TIPP: Zu beachten ist, dass für die Beur­teilung, ob Familienbeihilfe und Kinderabsetz­betrag zustehen, sämtliche der Einkommen­steuer unterliegenden Einkünfte herangezo­gen werden. Daher sind beispielsweise auch Ver­mietungseinkünfte oder sonstige Einkünfte zu berücksichtigen. Nur Lehrlingsentschädigungen, Waisenpensionen sowie einkommensteuerfreie Bezüge und endbesteuerte Einkünfte bleiben außer Ansatz.

In diesem Zusammenhang möchten wir noch auf folgende Besonderheiten aufmerksam machen:

  • Ein zu versteuerndes Einkommen, das in Zeiträumen erzielt wird, für die kein An­spruch auf Familienbeihilfe besteht (zB bei vorübergehender Einstellung der Familien­beihilfe, weil die vorgesehene Studienzeit in einem Studienabschnitt abgelaufen ist), ist konsequenter Weise nicht in die Berechnung des Grenzbetrages einzubeziehen.
  • Nicht ungefährlich ist es, wenn die Eltern den zu hohen Verdienst ihres Kindes nicht pflichtgemäß dem Finanzamt melden. Wer eine solche Meldung unterlässt, riskiert zusätzlich zur Rückforderung der Familien­beihilfe und des Kinderabsetzbetrages auch eine Finanzstrafe!

Für den Ferialpraktikanten selbst ist noch Fol­gendes zu beachten:

Bis zu einem monatlichen Bruttobezug von 415,72 Euro (Wert 2016) fallen wegen gering­fügiger Beschäftigung keine Dienstnehmer-Sozi­alversicherungsbeiträge an. Liegt der Monats­bezug über dieser Grenze, werden dem Kind die vollen SV-Beiträge abgezogen. Allerdings kann es bei niedrigen Einkünften bei der Veranlagung zu einer SV-Rückvergütung (auch als „Negativ­steuer“ bezeichnet) kommen. Danach können 50 % der SV-Beiträge bis max 400 Euro (500 Euro mit Pendlerpauschale) vom Finanzamt vergütet werden. 

Bei Ferialjobs in Form von Werkverträgen oder freien Dienstverträgen, bei denen vom Auf­traggeber kein Lohnsteuerabzug vorgenommen wird, muss ab einem Jahreseinkommen (Brut­toeinnahmen abzüglich der mit der Tätigkeit verbundenen Ausgaben) von 11.000 Euro für das betreffende Jahr eine Einkommensteuer­erklärung abgegeben werden. Eine Ferialbe­schäftigung im Werkvertrag bzw freien Dienstver­trag unterliegt grundsätzlich auch der Umsatz­steuer (im Regelfall 20 %). Umsatzsteuerpflicht besteht jedoch erst ab einem Jahresumsatz (= Bruttoeinnahmen inklusive 20 % Umsatzsteu­er) von mehr als 36.000 Euro (bis dahin gilt die unechte Steuerbefreiung für Kleinunternehmer). Eine Umsatzsteuererklärung muss ebenfalls ab Umsätzen von 30.000 Euro netto abgegeben werden.