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Mit dem Automatischen Informationsaustausch fällt nun auch die Anonymität für Österreicher in der Schweiz und in Liechtenstein

02 November 2016

Zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung hat die EU mit der Schweiz und Liechtenstein Abkommen unterzeichnet, welche einen automatischen Austausch von Informationen über Finanzkonten vorsehen. Der erste Austausch von Informationen ist mit 2018 geplant und soll Kontodaten erfassen, die ab dem 1. Jänner 2017 erhoben werden. Die Abkommen entsprechen dem des Common Reporting Standards der OECD, welcher bereits von 101 Staaten (Stand 26. Juli 2016), darunter allen EU-Mitgliedstaaten, unterzeichnet wurde. Österreich hat den Common Reporting Standard mit August 2015 mit dem Gemeinsamen Meldestandard-Gesetz in nationales Recht umgesetzt. Österreich hat bereits in den Jahren 2012 und 2013 mit der Schweiz und Liechtenstein Steuerabkommen geschlossen, durch die österreichische Steuerpflichtige mit ihren Konten oder Depots in der Schweiz oder Liechtenstein kapitalertragsteuerpflichtig wurden. Der Steuerabzug erfolgt anonym, somit ohne die Konteninhaber an die österreichische Finanz zu melden. Alternativ zum Steuerabzug können sich Konteninhaber zur freiwilligen Meldung von Namen und Vermögenswerte an die österreichische Finanzverwaltung entscheiden.

Aufhebung des Steuerabkommens mit der Schweiz

Um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden, ist nun geplant, rechtzeitig vor Inkrafttreten des Automatischen Informationsaustauschs, das Steuerabkommen mit der Schweiz aufzuheben. Somit wird künftig von den schweizer Banken keine Abgeltungssteuer mehr eingehoben werden. Dies hat jedoch zur Folge, dass die Anonymität für jene Konteninhaber entfällt, die sich bislang für den Abzug der Abgeltungssteuer entschieden haben. Mit der Aufhebung des Steuerabkommens Schweiz wurde weiters vereinbart, ab dem 1. Jänner 2017 Gruppenanfragen zwischen Österreich und der Schweiz zu ermöglichen. Somit könnten die österreichischen Behörden zum Beispiel Informationen über all jene Österreicher abfragen, welche noch bis Ende 2016 ihre Kontoverbindungen in der Schweiz auflösen und ihr Vermögen aus der Schweiz abziehen.

Anpassung des Steuerabkommens mit Liechtenstein

Das Steuerabkommen mit Liechtenstein soll dahingehend abgeändert werden, dass die liechtensteinischen Banken - analog zur Schweiz - künftig keine Abgeltungssteuer für Konten von Privatanlegern mehr einbehalten werden. Auch hier kommt es zur Aufhebung der Anonymität jener Konteninhaber, welche sich bislang für den Abzug der Abgeltungssteuer entschieden haben. Für bereits am 31. Dezember 2016 bestehende liechtensteinische Stiftungen, Anstalten und Trusts wird das derzeit in Kraft befindliche Steuerabkommen weiterhin anwendbar sein. Auch Konten und Depots von steuerlich intransparenten Vermögensstrukturen, welche nach dem 31. Dezember 2016 gegründet werden, fallen unter das in Kraft befindliche Steuerabkommen. Sämtliche Konten und Depots dieser Vermögens­strukturen sind somit vom Anwendungsbereich des Automatischen Informationsaustausches ausgeschlossen und es erfolgt keine dementsprechende Meldung von personen- und kontenbezogenen Daten an die österreichischen Steuerbehörden. Die Aufhebung des Abkommens mit der Schweiz und die Anpassung des Abkommens mit Liechtenstein bedürfen noch der parlamentarischen Behandlung, sollen jedoch rechtzeitig vor Jahresbeginn in Kraft treten.

Mag. Mario Schlächter
Steuerberater, Manager
Telefon: +43 1 537 37-450
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