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Nachlese zur Informationsveranstaltung "IFRS 16: REVOLUTION DER LEASING-BILANZIERUNG UND IHRE AUSWIRKUNGEN"

29 Jänner 2016

Leasing: „Biggest-ever accounting change“ mit realwirtschaftlichen Folgen.

Wien, 28. Jänner 2016 – Den neuen IFRS-Leasingstandard und seine Auswirkungen auf die betroffenen Unternehmen und Finanzinstitute präsentierten am Mittwochabend Mag. Klemens Eiter, Partner und Leiter des IFRS-Competence Center der BDO und Mag. Günter Schmidt, Head of Group Taxes Erste Group und Leiter des BW- und Steuerausschusses österreichischer Leasingverband.

„In der Folge von ENRON und anderen Bilanzskandalen nach der Jahrtausend-Wende wurde Leasing als wesentlichste „off balance“-Finanzquelle von der SEC (United States Securities and Exchange Commission) geortet. Seit 2005 kämpfen die internationalen Bilanzierungsstandardsetter daher dafür, Leasingverpflichtungen in die Bilanzen der Leasingnehmer zu bekommen.“ erläuterte Eiter. Nach den Schätzungen des IASB (International Accounting Standards Board) betragen die nicht bilanzierten Miet- und Leasingverpflichtungen der börsenotierten Unternehmen weltweit rd. 2,8 Billionen USD.

Mit dem am 13. Jänner 2016 veröffentlichten neuen Leasing-Bilanzierungsstandard IFRS 16 wird sich dies ab 2019 ändern. „Künftig sind alle Miet- und Leasingverpflichtungen mit einer Laufzeit von mehr als 12 Monaten in der Bilanz des Mieters bzw. Leasingnehmers abzubilden. Davon ausgenommen sind nur Leasingverträge für geringwertige Vermögensgegenstände wie etwa Handys, PC’s und kleinere Büromöbel.“ erklärte Mag. Günter Schmidt.

Durch den neuen Bilanzierungsstandard werden sich die Bilanzkennzahlen der Unternehmen massiv verschlechtern. Besonders betroffen ist der Handel. „Für die börsenotierten Handelsunternehmen errechnete das IASB in seiner Studie eine Ausweitung der Bilanzsumme von rd. 21,4 % und eine Erhöhung des Verschuldungsgrades von 48 % auf 126 %“ berichtete Eiter.

Eine Verschlechterung der Bonität und höhere Finanzierungskosten sehen die Leasingbetreiber dennoch nicht: „Auf Basis der Erläuterungen im Anhang haben die großen Banken die Leasingverpflichtungen der IFRS-Bilanzierer bereits bisher in ihre Bonitätsanalyse mit einbezogen“ beruhigte Schmidt.

Fraglich ist allerdings, wie sich die neuen Standards auf die Praxis kleinerer Banken und Unternehmen auswirken wird. Und auf die Bilanzen der Banken, die selbst Mieter oder Leasingnehmer sind. Der neue Leasing-Standard könnte auf die Eigenkapitalquote dieser Banken drücken. „Hier ist wichtig, dass die Aufsichtsbehörden bei den regulatorischen Kapitalanforderungen (Stichwort Basel III) behutsam vorgehen“ so Schmidt. Ansonsten droht durch Zurückhaltung der Leasingnehmer und höheren Eigenkapitalbedarf in den Banken eine Negativspirale: „In den USA war in 2013 mit negativen Wirkungen auf das GDP von bis zu 3% gerechnet worden“ warnte Eiter abschließend.
 

v.l.n.r. Mag. Günter Schmidt, Mag. Klemens Eiter und Mag. Peter Bartos

 

Das Expertenduo stand nach dem Vortrag den zahlreichen Gästen noch für Fragen beim gemütlichen Get together zur Verfügung.

Unter den Gästen gesichtet: Mag. Brigitte Bruckmüller und Mag. Patrick Zehetmayr, Manager IMMORENT Aktiengesellschaft, Mag. Laura Bursa-Edelbacher, Geschäftsführerin SI-AL Management GmbH, Mag. Martin Feith, Geschäftsführer NAVAX Consulting GmbH, Angelika Großmann, Vorstandsmitglied Management Trust Holding AG, Dr. Rainer Kuhnle, Vorstand Volksbank Niederösterreich AG, Mag. Ursula Kolonja, Leiterin Rechnungswesen PORR AG, Mag. Erich Machart, Vorstandsvorsitzender IWS TownTown AG, Erich Mandl, Rechnungswesen Casinos Austria AG, Mag. Erich Söllinger, Manager MTH Gruppe, Prokurist Martin Steininger, PORR AG; Peter Trnka, CFO MOL Austria Handels GmbH, Franz Wögerer, Leiter Rechnungswesen ARDEX Baustoff GmbH sowie die Partner der BDO, Mag. Peter BartosDr. Stefan KurzMag. Andreas ThürridlMag. Michael Auerund MMag. Marcus Bartl.