Bitcoin ist noch immer an allem Schuld

Bitcoin ist noch immer an allem Schuld

Politischer Aktivismus bekommt ein neues Werkzeug: „Deepfakes“ sind manipulierte Multimedia-Dateien, bei denen über Algorithmen entweder das Aussehen und/oder die Sprechweise einer Person perfekt imitiert werden kann. Was vor wenigen Jahren noch nach einem aufwendigen Konzept klang, ist durch die Rechenpower neuester Prozessoren mittlerweile der Stand der Dinge. Mobile Anwendungen am Smartphone und Filter für soziale Medien erlauben schon Deepfake-Effekte, die bereits überzeugen können. Was früher aufwendig bei Fotos von Berühmten für anrüchige Inhalte missbraucht wurde, geht für Videos mittlerweile fast in Echtzeit.

Gemäß der Sicherheitsfirma Recorded Future explodieren im Dark Web bereits erste Angebote für Dienste, die den Betrug über Deepfakes ermöglichen. Experten schlagen daher ein neues digitales Wasserzeichen vor, das die Erkennung von Deepfakes erleichtern soll. Professor Bruce Schneier empfiehlt Interessierten den wissenschaftlichen Aufsatz „Markpainting: Adversarial Machine Learning Meets Inpainting“ 1)

Geopolitisch schießen sich Behörden in Ländern wie China und Iran auf die Produktion („Crypto Mining“) von Bitcoin (BTC) ein und schließen lokale Kryptominen. Einerseits geht es um den Stromverbrauch, der zeitweise zu großflächigen Ausfällen im Iran führt oder in der chinesischen Region Sìchuān Shěng dem Bedarf von vier der weltweit größten Solarkraftanlagen entsprach. Andererseits geht es um die Vormachtstellung im Internet, wie etwa bei China, das seinen digitalen Yuan als Stablecoin etablieren möchte, während Texas/USA die stillgelegten chinesischen Kryptominenbetreiber zu sich einlädt, um dort weiter zu schürfen. Das Angebot aus Texas verwundert sogar amerikanische Experten, denn einerseits verbrauchen amerikanische Rechenzentren in heißen Sommermonaten so viel Wasser wie eine Kleinstadt und bei privaten Stromkunden in Texas wurde andererseits gerade das smarte Thermometer zu Hause von ihren Stromgesellschaften auf 26 Grad Celsius (80°F) „nachjustiert“2). Rechenzentren-Betreiber wie Amazon, Google und Microsoft forschen daher nach energiesparenden Kühlformen und auch Entwickler von Kryptowährungen beschäftigen sich mit Mining-Algorithmen, die keine Fabrikhallen voller dezidierter Mining-Hardware mehr benötigen.

Staatlich sanktionierte Spionage und staatliche Kriegsführung sind in vielen Konflikten nicht mehr zu trennen, wie z.B. Berg-Karabach im Südkaukasus. Der neueste Trend in der Kriegsführung sind militärische Billigdrohnen (UAVs), wie etwa massenweise in der Türkei produziert, die somit relativ günstig einen Verbund aus Drohnen erlauben. Bei einem Preis von nur noch USD 5 Millionen vielleicht keine Okkasion, aber eine ernstzunehmende Gefahr in der Geopolitik. Der deutsche Oberstleutnant der Bundeswehr Michael Karl sieht hier eine Bedrohung für westeuropäische Länder, da Deutschland und andere NATO-Länder keine Möglichkeiten einer Bekämpfung solcher Drohnenschwärme mehr haben. Drastisch formuliert sagt Karl in einem Interview3): „Wenn die Bundeswehr in diesem konkreten Konflikt gegen Aserbaidschan hätte kämpfen müssen, hätte sie kaum eine Chance gehabt.

Virtuelle Lösegelderpressungen brauchen eine monetäre Grundlage – wie bereits im Juni 2021 von uns berichtet: Was früher bei Kleinbeträgen eine Prepaid-Karte von Amazon oder eine Überweisung über Western Union war, die erst mühsam von „Money Mules“ in Geld eingetauscht werden musste, ist heute die Kryptowährung Bitcoin (BTC). Aber auch hier geht der Trend vermehrt zu Alternativen, wie nun aktuell die Financial Times4) beleuchtet: Ransomware-Gruppierungen wie Darkside und Babuk verrechnen eine Risikoprämie von mind. 10%, wenn Opfer das Lösegeld in Bitcoin bezahlen wollen. Diese Risikoprämie entfällt, sobald die Opfer bereit sind, etwa in Monero (XMR) zu bezahlen. Diese digitale Kryptowährung gilt als sicher, privat und nicht mehr rückverfolgbar – so lautet auch die Selbstbeschreibung von Monero. Damit entsteht für die Opfer, also betroffene Unternehmen, ein zusätzliches Risiko, auf das wir hier nochmals hinweisen: Ein Unternehmen, das Lösegeld für Ransomware generell in Kryptowährungen und im Besonderen mit Monero bezahlt, macht sich damit im Inland und in den USA für Strafen wegen der Umgehung von Geldwäsche-Richtlinien und Sanktionen strafbar! Dazu kommen noch weitere potenzielle Probleme, wie beispielsweise Untersuchungen der Börsenaufsicht bei betroffenen börsennotierten Unternehmen.

    

 


1) Direkt als PDF abrufbar: https://arxiv.org/abs/2106.00660

4) Siehe https://www.ft.com/content/13fb66ed-b4e2-4f5f-926a-7d34dc40d8b6

 

Das nächste Update folgt im September 2021 und wir planen für den Herbst weitere Themenschwerpunkte zum Stand der Dinge bei „Ransomware“ und „Angriffen auf die Lieferkette“ – beides topaktuelle Cyberrisiken, die eine fortschreitende Digitalisierung weiterhin elementar gefährden. Interessieren Sie sich für unsere Leistungen in diesem Bereich? Intelligence unterstützt Sie dabei, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und Cyber- bzw. wirtschaftliche Risiken zu bewerten. Unser Expertenteam mit Ewald Kager, Lorenz Szabo und Lena Knauder steht Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite.