Wer knabbert an meinem Geld?

Wer knabbert an meinem Geld?

Wenn man lange genug im Finanzgeschäft ist, hat man irgendwann fast alle Bereiche durchgemacht. Unsere Anleihen-Spezialisten im Haus meinen, ich wurde schon als Aktionär geboren. Doch weit gefehlt, oder positiver: Überraschung! Anfang der 1990er-Jahre habe ich zwei Anleihefonds gemanagt. Da gab es zumindest noch Zinsen. 

Besonders das Jahr 1994 war „lustig“, als die US-Notenbank begann, die Zinsen anzuheben. Von einem Tiefstand der Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen bei gut fünf Prozent gegen Ende 1993, stiegen sie auf acht Prozent im Horror-Anleihen-Jahr 1994. Wer damals Aufregung und Volatilität suchte, brauchte keine Aktien. Heute schätze ich eher den unaufgeregten Wertzuwachs – Vorzüge des Alters...  

Was Inflation für Anleiheportfolios bedeutet 
Vor wenigen Wochen war die Inflation – mit starkem Aktienbezug – schon einmal Newsletter-Thema. Doch es gibt auch Investoren, die entweder gar nicht in Aktien investieren können oder nicht 100 Prozent in Aktien investieren wollen. Tatsächlich ist es so, dass der typische österreichische oder deutsche Vermögensverwalter mehr Anleihen als Aktien hält. Im Auftrag seiner Kundinnen und Kunden.  
Wenn Sie in Anleihen investiert sind, hat sich Ihr Umfeld seit August 2020 geändert. Vor allem bei langlaufenden US-Staatsanleihen. Dort stiegen die Renditen seit letztem Sommer von 0,5 Prozent auf 1,5 Prozent. Nur ein Prozentpunkt mehr sagen die einen, verdreifacht sagen die anderen. Fakt ist, dass dieser Renditeanstieg zu kräftigen Preisveränderungen bei 10-jährigen Anleihen führte.  
Schauen wir uns zum Beispiel eine 10-jährige US-Staatsanleihe an (auch genannt Treasury Note oder T-Note nach dem US-Schatzamt Department of Treasury), die im Mai 2020 emittiert wurde. 

Preisentwicklung der 0,625% US Treasury Note Laufzeit bis 15. Mai 2030 

Quelle: FactSet. Frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

 

Die Preisveränderung, von 101 Prozent am 4. August 2020 auf 91 Prozent heute, bedeutet einen Kursverlust von 10 Prozent. Die Anleihe zahlt einen Kupon von 0,625 Prozent (hier wird noch in Achteln gerechnet – 5/8 Prozent also). In diesen sieben Monaten summierten sich 16 Jahre laufender Kupon an Papierverlusten. Autsch!  

Wer das inflationsgebundene Pendant „10 Year TIPS“ gekauft hat, war besser dran. 

Preis der 0,125% US TIPS Laufzeit bis 15. Jänner 2030 

Quelle: FactSet. Frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. 
 

Vom Höchststand verlor die Anleihe lediglich vier Prozent. Die sogenannten „Treasury Inflation-Protected Securities (TIPS)” schützen die Nominale der Anleihe vor Inflation. Der Nominalwert bzw. die Nominale ist der Geldbetrag, den der Anleihe-Emittent dem Anleihehalter schuldet und am Laufzeitende zurückzahlen muss. Wie wird die Nominale nun vor Inflation geschützt? Sie steigt mit der Inflation und fällt mit der Deflation. Allerdings gibt es eine Minimumtilgung von 100 Prozent. Dort ist dann der Boden gefunden – ein Deflationsschutz ist also auch noch eingebaut.  

Wie wird Inflation gemessen? Durch den offiziellen Konsumentenpreisindex (Consumer Price Index CPI). TIPS zahlen zweimal im Jahr einen Kupon. Bei der Anleihe oben sind es 0,125 Prozent auf die Nominale (bzw. 1/8, macht 1/16 oder 0,0625 Prozent alle halben Jahre). Auch dieser Zinssatz wird an die Inflation angepasst. Er steigt mit Inflation und fällt mit Deflation. 
Sie sehen schon, Inflationsanleihen sind kein triviales Thema. Ich versuche trotzdem, bei der Erklärung nicht zu technisch zu werden (ok, Versuch vielleicht bereits gescheitert). Schützen Inflationsanleihen die Käuferin jetzt vor Inflation oder nicht? Wieder einmal passt die Lieblingsantwort aller Anwälte am besten: „Es kommt drauf an.“  

 

Inflationsanleihen lohnen sich, wenn sie unterschätzt werden 

Angenommen, Sie tauschen alle Ihre Anleihen gegen inflationsgebundene Anleihen aus. Sollten Sie nun ruhiger schlafen können? Nicht unbedingt, es kommt darauf an, wovor Sie sich in Ihren Albträumen fürchten.  

Bleiben wir bei einem Vergleich: 10-jährige fixverzinste Staatsanleihen und 10-jährige inflationsgebundene Anleihen. An dem Tag, an dem Sie kaufen, preisen beide Varianten die Inflationserwartung über die nächsten zehn Jahre ein. Ist diese dann 2031 tatsächlich so eingetreten, war es vollkommen egal, welche Variante Sie im Portfolio hatten. Lag jedoch die realisierte (also tatsächlich erlebte) Inflation über den heute eingepreisten Erwartungen, hatte die inflationsgebundene Anleihe die Nase vorne. Und vice versa.  

Auf lange Sicht schützt die Inflationsanleihe damit vor Inflation, die höher ist, als wir heute am Radar haben. Kurzfristig spielen viele andere Faktoren eine Rolle, die berücksichtigt werden müssen (keine Angst, jede weitere Erklärung wäre definitiv zu technisch).  

Thomas Neuhold, Vorstand der Gutmann Kapitalanlagegesellschaft und jemand, dem die Zinsen durchs Blut fließen, verglich die Inflationsanleihen letztens mit einer Versicherung: Wenn die Flut schon flussaufwärts steht, kostet die Versicherung so viel wie der Schaden. Der Kauf zahlt sich also nur aus, wenn die Gefahr unterschätzt wird.  

Was haben Sie davon? 

Wir haben in unseren Anleihemandaten bereits zu Jahresbeginn die Position bei US-TIPS erhöht. Gut so. Zu diesem Zeitpunkt war Inflation noch kein großes Thema und die Versicherung daher preiswert. Warum ist das interessant? Weil sich das – wenn Sie investiert sind – günstig auf die Performance auswirkt und die Inflation weniger an Ihrem Portfolio knabbert. 

 


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