Erfolgreiches Employerbranding

Unser Thema am People Thursday, dem 14. Dezember 2023: 


 

Wie Unternehmen durch eine authentische Unternehmenskultur gemäß ESRS überzeugen.

Die europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards (ESRS) beeinflussen in den 3 Säulen ESG (Umwelt, Soziales bzw. Governance/Unternehmensführung) nicht nur maßgeblich die Unternehmenssteuerung, sondern spielen auch im Employer Branding eine entscheidende Rolle. Die Unternehmenskultur, die oft als die Persönlichkeit einer Organisation beschrieben wird, erhält durch die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten eine völlig neue Facette.

Langfristige Perspektiven ermöglichen auch eine nachhaltige Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen und zukünftigen Generationen entspricht. In diesem Kontext übernehmen Organisationen ökologische und soziale Verantwortung, indem sie eine stabile Unternehmensführung gewährleisten, verschiedene Perspektiven integrieren und angemessene Antworten auf unternehmerische Herausforderungen, Chancen und Risiken bereitstellen. Die ESRS dienen als formaler Anker und Ausgangspunkt der Nachhaltigkeitsberichterstattung und umfassen die Bereiche der ESG-Kriterien. Neben der direkten Berichtspflicht müssen Organisationen auch indirekt über ihre Wertschöpfungskette solche Informationen offenlegen.

Im Vergleich zu anderen Regelungen gehen die ESRS signifikant über die aktuellen und vergangenen Anforderungen hinaus. Es gilt nicht nur den Ist-Status der einzelnen Kennzahlen zu erheben, sondern auch eine Stellungnahme zum Ist-Zustand zu verfassen. Dafür soll der gewünschte Zielwert der Kennzahlen sowie die dafür notwendigen Maßnahmen angegeben werden. Im Folgejahr der Berichterstattung wird dann auf das geplante Vorgehen des Vorjahrs Bezug genommen und über Fortschritte berichtet. Dadurch entsteht eine neue Dimension an Transparenz.

Beginnend mit 2025 sind alle als „groß“ einzustufenden Gesellschaften bzw. Gruppen berichtspflichtig. Die Zuschreibung „groß“ trifft dann zu, sobald 2 von 3 Kriterien erfüllt werden: mehr als EUR 40 Mio. Umsatz bzw. mehr als EUR 20 Mio. Bilanzsumme und/oder mehr als 250 Mitarbeiter:innen. Demnach werden in Österreich rund 2.000 Unternehmen davon betroffen sein.

 

Relevanz für Personalabteilungen

Neben anderen Fachbereichen spielt auch die Personalabteilung eine wichtige Rolle in der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Zum einen liefert sie eine Vielzahl an Daten, die vor allem zur Erfüllung der sozialen Kriterien erforderlich sind. So fordern die Berichtspunkte unter „ESRS S1 Eigene Belegschaft“ ein nachhaltiges Personalmanagement z.B. anhand von Diversitäts- oder Vergütungsparametern. Zum anderen wirken sich die erfassten Kennzahlen wiederum auf die Reputation des Unternehmens aus. Dies hat Auswirkungen auf den Investor:innen- und Arbeitsmarkt.

 

Rolle der Unternehmenskultur

Viele der Berichtspunkte in den 3 ESG-Säulen erfordern eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. Das bedeutet, dass die Geschäftsführung und Eigentümer:innen stark auf das Engagement aller Beschäftigten angewiesen sind. Die Verknüpfung der Unternehmenswerte mit den Prinzipien der Nachhaltigkeit bildet dabei eine authentische Grundlage für die Unternehmenskultur. Um gemeinsam besser zu werden, ist es also umso bedeutsamer, eine passende und unterstützende Unternehmenskultur zu etablieren.[1] Laut einem Report von  Great Place To Work® zum Thema „Unternehmenskultur in Österreich“, profitieren Unternehmen mit einer positiven Unternehmenskultur von zufriedeneren Mitarbeitenden, stärkerer Loyalität und einer erhöhten Weiterempfehlungsbereitschaft.[2] Dies gelingt allerdings nur, wenn die kommunizierte Unternehmenskultur auch authentisch ist.

 

Mithilfe von Employer Branding zu einer glaubwürdigen Unternehmenskultur

Um als authentische:r Arbeitgeber:in wahrgenommen zu werden, ist es wesentlich, dass die Unternehmenskultur nicht nur auf dem Papier existiert, sondern durch gezielte Employer Branding Strategien tief im täglichen Handeln verankert und gelebt wird. Nur dann sind Sie als Arbeitgeber:in für bestehende und zukünftige Mitarbeiter:innen glaubwürdig. Im Rahmen der Employer Branding Aktivitäten sollten die verankerten Werte und Nachhaltigkeitsinitiativen sowohl intern als auch extern kommuniziert werden.

Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten auf ökologischer und sozialer Ebene hat nach innen sowie auch nach außen Breitenwirkung. Eine DEBA-Studie zum Thema Nachhaltigkeit zeigte, dass ein Großteil der Befragten der Meinung ist, dass ihr Arbeitgebender sich ausschließlich aufgrund gesetzlicher Vorschriften und Marketinggründen für den Klimaschutz engagiert.3 Die alleinige Integration von Nachhaltigkeitsmaßnahmen ist somit nicht ausreichend, um Mitarbeiter:innen zu überzeugen. Stattdessen muss die Verknüpfung von Unternehmenswerten mit den Prinzipien der Nachhaltigkeit über die reine Imagepflege hinausgehen. Nur so wird auch eine authentische Grundlage für die Unternehmenskultur geschaffen. Diese kann dazu beitragen, dass Mitarbeiter:innen ihre Arbeit nicht nur als Job sehen, sondern sich mit den Werten und Zielen des Unternehmens identifizieren. Denn Nachhaltigkeit ist kein vorübergehender Trend, sondern spiegelt das gemeinsame Mindset einer ganzen Generation wider. Im Kontext des Employer Brandings ermöglichen die ESG-Kriterien eine transparente Darstellung der nachhaltigen Initiativen, der gelebten sozialen Verantwortung und unternehmerischen Führung. Dies spielt vor allem hinsichtlich der Mitarbeiter:innenbindung und der Anwerbung neuer Talente eine entscheidende Rolle.

 

Fazit: Mehr als nur zusätzlicher Aufwand

Seit der Veröffentlichung der European Sustainability Reporting Standards (ESRS) rückt die verpflichtende Nachhaltigkeitsberichterstattung immer näher. Dies bedeutet nicht nur einen zusätzlichen Aufwand für Unternehmen, sondern kann auch einen entscheidenden Beitrag zur Differenzierung am Arbeitsmarkt leisten. Unternehmen, die bereits erfolgreich an ihrer Positionierung als attraktive:r Arbeitgeber:in gearbeitet und Employer Branding als crossfunktionalen, strategischen und unternehmensweiten Auftrag verstanden haben, profitieren nun von der messbaren Nachhaltigkeit. Die ESG-Richtlinien fungieren somit nicht nur als Leitfaden für nachhaltige Geschäftspraktiken, sondern auch als Schlüssel zur Authentizität und Attraktivität als Arbeitgeber:in.


 

Autorinnen:

Zhang Qi Hui
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qi-hui.zhang@bdo.at
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Katarina Vasic

katarina.vasic@bdo.at
+43 5 70 375 - 1284

 

Ansprechpersonen:

Maximilian Forstner

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[1] Zukunftsinstitut, Der wichtigste Megatrend unserer Zeit (zukunftsinstitut.de)


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